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​Als Physiotherapeutin in Peru ​

​Zwischenfälle und Krankenhäuser ​

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In den letzten drei Monaten waren wir, meine Mitfreiwillige Saskia und ich, für meinen Geschmack deutlich zu oft in Krankenhäusern …

Im Notfallkrankenhaus von Villa El Salvador bekommen wir Hilfe.
Foto: Esra Fehsenfeld


​Zustand stabil, aber Langeweile vorhanden ​

Neben zwei anderen Kindern war da der zwölfjährige Oliver, der vor einen Bus lief und sich beim Sturz den Kopf anschlug. Glück im Unglück war, dass es die staatliche Busgesellschaft war, vor deren Bus er lief. Deshalb wurde Oliver in eine private Klinik gebracht, in der er sehr gründlich diagnostiziert wurde. Die Bilder der Tomografie wiesen auf eine Blutung im Schädel hin, die im Laufe des Aufenthaltes nicht ab-, aber auch nicht zunahm. Nach zwei Wochen wurde er aufgrund seines stabilen Zustandes und großer Langeweile entlassen und muss nur noch zur Kontrolle in die Klinik zurückkehren.


​Ein lukrativer Nierenstein? ​

Nicht nur die Kinder, die wir bei „Amancay” betreuen, sondern auch einen Vater habe ich in diesen Monaten ins Krankenhaus begleitet. Lázaro, dessen Tochter Mariana ebenfalls eine schwere Zerebralparese hat, litt unter starken Schmerzen im Bereich der rechten Niere.

Als er sich in einem der staatlichen Krankenhäuser untersuchen ließ, wurde ihm gesagt, er habe einen Nierenstein, der ihm wahrscheinlich innerhalb einer Woche operativ entfernt werden müsse. Die Kosten der Behandlung würden 5.000 Nuevos Soles betragen. Da Lázaro kurz zuvor seine feste Anstellung verloren hatte, war auch seine Versicherung ausgelaufen. Die Operation hätte er somit aus eigener Tasche bezahlen müssen.

Um nicht nichts zu tun, habe ich eine Bekannte angeschrieben, die ebenfalls Physiotherapeutin und von Deutschland nach Peru gezogen ist, um hier mit ihrem Freund zu wohnen. Der Vater ihres Freundes ist Chefarzt in einem Therapiezentrum im Norden Limas. Ich hätte es niemals gedacht, doch tatsächlich verhalf uns dieser Kontakt zu weiteren Kontakten und letztendlich telefonierte ich mit dem Direktor des Notfallkrankenhauses von Villa El Salvador! Dieses wurde vor zwei Jahren neu errichtet und hat einen sehr guten Ruf. Durch die Hilfe des Direktors wurde Lázaro aufgenommen, ohne bezahlen zu müssen. Bis zur Operation wäre er vom Krankenhaus versorgt worden.

Im Gespräch mit dem Urologen entschärfte sich jedoch die Situation und nach einigen weiteren Untersuchungen stand fest, dass keine Operation nötig sein würde! Der Nierenstein hatte von allein seinen Weg nach draußen gefunden. Dies war bereits auf den Bildern der Tomografie zu erahnen, die im ersten Krankenhaus aufgenommen worden waren. Doch offenbar hatten die Ärzte versucht, Profit aus der Situation zu schlagen.

Durch diese Erlebnisse habe ich einen Einblick in die Realität des peruanischen Gesundheitswesens bekommen.

Surftipp

Amancay – Begegnung auf Augenhöhe e. V.: www.amancay-ev.org

Heft 11-2017


Autor

Esra Fehsenfeld

Seit 2016 B. Sc. Physiotherapie im primärqualifizierenden Studiengang an der Alice Salomon Hochschule (ASH) und der Wannsee-Schule Berlin; angestellt in einer PT-Praxis; Leitung eines Sportkurses für geflüchtete Frauen; seit 2013 stellv. Delegierte der ASH für den Bundesstudierendenrat; seit 2015 Landesjuniorensprecherin des LV Nordost von Physio-Deutschland.

esra_fehsenfeld@gmx.de

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