_Evidenzbasierte Therapie

​Gehirnerschütterung: Sind Übungen sinnvoll? ​

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Foto: photographee.eu / Shutterstock.com

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Ja, so das Ergebnis eines Reviews mit Meta-Analyse. Unter Federführung der Brain Trauma Foundation in Campbell, USA, analysierten Wissenschaftler den Effekt von Übungen nach einer Gehirnerschütterung. Die Recherche erfolgte in den Datenbanken MEDLINE, Scopus, Cochrane, PsycINFO und SPORTDiscus bis zum 30. September 2016.

Eingeschlossen wurden englischsprachige Studien, die Kinder oder Erwachsene mit Gehirnerschütterung oder leichtem Schädel-Hirn-Trauma (mTBI) untersuchten und den Effekt von Übungstherapie mit keiner Therapie oder Therapiepause verglichen. Zu den Ausschlusskriterien gehörten unter anderem mittlere oder schwere Schädel-Hirn-Traumen, Verletzungen der Schädeldecke, Gehirnerschütterungen, die länger als drei Monate zurücklagen, sowie medikamentöse Therapie. Ergebnisparameter der Literaturanalyse waren:

  1. Post Concussion Symptom Scale (PCSS)
  2. Anzahl betroffener symptomatischer Patienten
  3. Symptomdauer
  4. Immediate Post-Concussion Assessment and Cognitive Testing (ImPACT)
  5. Balance Error Scoring System (BESS)
  6. neuropsychologische Tests
  7. Genesung und körperliche Leistungsfähigkeit, Krankheitstage, mentale Leistungsfähigkeit

Insgesamt konnten 1.096 Studien identifiziert werden. Nach Ausschluss von Duplikaten und Anwendung der definierten Einschlusskriterien verblieben 14 Studien, darunter fünf randomisierte kontrollierte Studien (RCT), eine gematchte Beobachtungsstudie, drei Kohortenstudien und fünf Vorher-nachher-Studien. Die Qualität von sieben Studien war gut.

Durch Übungen konnten der PCSS-Wert, die Anzahl der symptomatischen Patienten nach einer Gehirnerschütterung und die Krankheitstage signifikant reduziert werden, im Vergleich zu Patienten, die nicht übten. Zusätzlich verbesserte sich durch die Therapie die Reaktionszeit beim ImPACT; im BESS und bei den neuropsychologischen Parametern zeigte sich dieser Effekt jedoch nicht. Der Empfehlungsgrad (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation – GRADE) für PCSS, Symptome, ImPACT, BESS und neuropsychologische Parameter ist moderat.

Unabhängig vom Alter der Probanden, der Ursache für die Gehirnerschütterung und dem Zeitpunkt des Therapiebeginns nach dem Trauma hatten Übungen einen positiven Effekt. Deshalb spricht die Autorengruppe eine Empfehlung für Übungen nach Gehirnerschütterung aus, auch wenn viele Details (zum Beispiel die Dosierung) noch offen sind. Zukünftige hochwertige Studien sollten Klarheit bringen.

Quelle: Lal A, et al. 2017. The effect of physical exercise after a concussion: a systematic review and meta-analysis. Am. J. Sports Med. Jun 1. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28570092

Heft 8-2017


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