_Evidenzbasierte Therapie

​Schlaganfall: Wie können Therapeuten dabei helfen, dass ihre Patienten langfristig körperlich aktiv bleiben? ​

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Egal wie leicht oder schwer betroffen der einzelne Patient ist: Körperlich aktiv zu bleiben ist eines der wichtigsten Ziele über alle Rehabilitationsphasen hinweg. Die kürzlich publizierte Studie „Life after Stroke“ (LAST) zeigte bereits, dass ein regelmäßiges Coaching die Aktivität der Patienten signifikant beeinflusst. Daher untersuchten Forscher aus Norwegen in einer Sekundäranalyse mit den Daten der LAST-Studie die Adhärenz im Rahmen eines 18-monatigen Aktivitäts- und Übungsprogramms für Schlaganfall-Patienten. Geeignet waren Erwachsene, die bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen waren, auf der modifizierten Rankin-Skala einen Wert von fünf oder weniger aufwiesen und bei der Mini-Mental State Examination einen Wert von 20 Punkten oder mehr erreichten. Patienten mit ernsthaften Co-Morbiditäten oder Erkrankungen, die eine Kontraindikation für motorisches Training darstellen, wurden ausgeschlossen. 186 Probanden, deren Schlaganfall drei Monate zurücklag, wurden in die Studie eingeschlossen. Sie hatten geringe bis moderate Einschränkungen, gemessen mit der National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS; Score kleiner als acht).

Die medizinische Versorgung verlief wie allgemein üblich. Die Patienten der Interventionsgruppe wurden monatlich von einem Therapeuten gecoacht und dazu motiviert, täglich 30 Minuten körperlich aktiv zu sein und 45 Minuten pro Woche Übungen zu machen. Die meisten Übungen wurden mit moderater bis hoher Intensität durchgeführt (zwölf bis 16 von 20 auf der Borg-Skala). Die entsprechend ausgebildeten Therapeuten setzten dabei Techniken der motivierenden Gesprächsführung ein. Die Patienten sollten sich zwei Aktivitäten (zum Beispiel Haus- oder Gartenarbeit) und zwei Übungsformen (zum Beispiel Wandern oder Schwimmen) aussuchen, die sie gerne regelmäßig durchführen wollten – Präferenzen und Ziele standen dabei im Vordergrund. Wenn gewünscht, konnten die Patienten auch an bestehenden Gruppenangeboten teilnehmen. Die ersten sechs Termine fanden im persönlichen Gespräch statt, in den sechs Monaten danach konnte jedes zweite Gespräch auch per Telefon geführt werden. Im letzten Halbjahr der Studienlaufzeit planten die Forscher vier der sechs Termine als Telefongespräche. 34 Patienten fielen im Verlauf aus der Studie heraus und neun starben während der Studienlaufzeit. Die Adhärenz evaluierten die Forscher über die Trainingstagebücher der Patienten. Außerdem befragten sie die Therapeuten dazu.

Die Adhärenz für körperliche Aktivität jeden Monat variierte zwischen 51 und 73 Prozent, bei den Übungen errechneten die Forscher Werte zwischen 64 und 80 Prozent. Und die Adhärenz nahm über die Zeit sogar noch zu – und zwar um 2,6 Prozent pro Monat. Die Autoren schlussfolgern, dass ein regelmäßiges Coaching effektiv für Schlaganfall-Patienten ist, um langfristig körperlich aktiv zu bleiben.

Quelle: Gunnes M, et al. 2018. Adherence to a long-term physical activity and exercise program after stroke applied in a randomized controlled trial. Phys. Ther. Oct 17. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30329136

Heft 01-2019


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pt_Redaktion

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