_Evidenzbasierte Therapie

Claudicatio intermittens: Sind zusätzliche orthopädische Probleme ein Hindernis für die aktive Trainingstherapie zu Hause?

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Grafik: crystal light / shutterstock.com

Nein, so das Ergebnis einer retrospektiven Kohortenstudie aus Italien. Es ist bekannt, dass sowohl periphere arterielle Erkrankungen als auch orthopädische Probleme die Mobilität von älteren Patienten einschränken. Gerade die Kombination dieser Beschwerden kann sich negativ auf die so wichtige aktive Trainingstherapie auswirken. Ziel der Forscher war die Untersuchung der Anwendbarkeit und Effektivität eines strukturierten Heimübungsprogramms in einer Kohorte von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK), die teilweise auch noch orthopädische Probleme aufwiesen. Eingeschlossen wurden Patienten aller Altersstufen, die eine pAVK im Stadium zwei bis drei nach Fontaine aufwiesen. Die Probanden mussten in der Lage sein, ein Heimprogramm durchzuführen und mindestens fünf Meter ohne Hilfe zu gehen. Das Heimtrainingsprogramm „Test in – Train out“ (Ti-To) bestand aus zwei Phasen mit einem Gehtraining: Zunächst kamen die Patienten noch circa einmal monatlich zur Untersuchung in die Klinik, dabei wurde auch das Heimprogramm überprüft und die Adhärenz abgefragt. In der zweiten Phase trainierten die Patienten selbstständig zu Hause weiter. Das Gehtraining wurde dabei an sechs Tagen pro Woche zweimal täglich über zehn Minuten durchgeführt. Es handelte sich um intermittierendes Gehen, die Patienten wurden also instruiert, abwechselnd eine Minute mit der individuell verordneten Geschwindigkeit zu gehen und sich eine Minute im Sitzen zu erholen. Zu Beginn war die Gehgeschwindigkeit langsamer als im Alltag der Patienten üblich, danach wurde sie wöchentlich gesteigert. Der Zeitpunkt der Entlassung aus dem Programm war nicht bei allen Probanden identisch, sondern war erreicht, wenn sie mit ihrer Verbesserung der schmerzfreien Gehstrecke zufrieden waren und diese in einer ihrem Alter und Geschlecht entsprechenden Gehgeschwindigkeit symptomfrei zurücklegen konnten. Die Forscher dokumentierten zu Beginn und bei der Entlassung den Knöchel-Arm-Index sowie die Ergebnisse verschiedener funktioneller Tests, darunter die Gehgeschwindigkeit bei Beginn der Claudicatio-intermittens-Beschwerden sowie die maximal erreichbare Gehgeschwindigkeit auf dem Laufband. Die Anwendbarkeit beurteilten sie unter anderem anhand der Drop-out-Rate und der Adhärenz. An der Untersuchung nahmen insgesamt 1.251 Patienten (71 ± 9 Jahre, 931 Männer) teil; 846 hatten keine orthopädischen Erkrankungen, 387 (31 Prozent) litten an zusätzlichen Beschwerden am Bewegungssystem, hauptsächlich an der Wirbelsäule (72 Prozent). Das Vorliegen zusätzlicher orthopädischer Beschwerden war assoziiert mit dem weiblichen Geschlecht, Übergewicht und inaktiven Berufen. Die Gruppe der Patienten mit orthopädischen Zusatzproblemen unterschied sich nicht von den anderen Patienten hinsichtlich Drop-out-Rate, Programmdauer, Anzahl der Besuche und Adhärenz. Auch die Verbesserungen in Bezug auf den Knöchel-Arm-Index und die funktionellen Tests waren vergleichbar. Zusätzliche orthopädische Beschwerden sind also kein Hindernis für eine erfolgreiche aktive Trainingstherapie.

Quelle: Lamberti N, et al. 2018. Home-based exercise for elderly patients with intermittent claudication limited by osteoarticular disorders – feasibility and effectiveness of a low-intensity programme. Vasa. Feb 21. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29463192

 

Heft 05-2018


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pt_Redaktion

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