_Evidenzbasierte Therapie

Cochrane-Update 11 2017

PT-relevante CRs der Cochrane Library Ausgabe 9 / 2017 (1. bis 30. September)

.

Ein Beitrag von Cordula Braun1, Tanja Boßmann2 und Katja Ehrenbrusthoff3

Wir suchen für Sie

Die systematischen Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration, Cochrane Reviews (CRs), sind weithin als Goldstandard für systematische Reviews zu Fragestellungen aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung anerkannt. Wir möchten Ihnen den Zugang zu dieser bedeutsamen Quelle hochwertiger Evidenz so einfach wie möglich machen, um Sie darin zu unterstützen, aktuelle Cochrane-Evidenz im Sinne der evidenzbasierten Physiotherapie in Ihre tägliche Praxis einzubeziehen. Deshalb durchsuchen wir für Sie regelmäßig die Cochrane Library, „Heimatort“ aller CRs, nach allen neu publizierten, das heißt neuen oder neu aktualisierten CRs mit Relevanz für die Physiotherapie (PT) in Deutschland und stellen diese kompakt für Sie zusammen – in einer tabellarischen Übersicht, die eine von uns formulierte, auf Deutsch verfasste klinische Fragestellung sowie Kerninformationen zu jedem CR enthält.

Wir übersetzen für Sie

Aus allen relevanten Neuzugängen einer Monatsausgabe der Cochrane Library wählen wir je nach Verfügbarkeit und Eignung ein bis zwei CRs aus, deren „Plain Language Summary“ (laienverständliche Zusammenfassung, kurz: PLS) wir ins Deutsche übersetzen: Zu jedem CR gibt es neben dem Abstract, der wissenschaftlichen Zusammenfassung, ein solches PLS, in dem die wesentlichen Reviewinhalte insbesondere medizinischen Laien und Menschen ohne wissenschaftliche Kenntnisse verständlich vermittelt werden sollen. All unsere PLS-Übersetzungen werden nach ihrer Fertigstellung in der Cochrane Library publiziert, wo sie dauerhaft für jedermann frei zugänglich sind – zu finden über die in der tabellarischen Übersicht angegebenen Links zu den Reviews; die PLS befinden sich in der Cochrane Library jeweils unter dem Abstract. Im Anschluss an die tabellarische Übersicht drucken wir in der Regel ein übersetztes PLS ab. Die Verfügbarkeit eines deutschen PLS kennzeichnen wir in der Übersicht für jeden CR durch ein Flaggensymbol (siehe Legende).

Unsere methodische Vorgehensweise

Informationen zu unseren Kriterien für die Beurteilung der PT-Relevanz sowie zu unserer Vorgehensweise bei der Erstellung der PLS-Übersetzungen finden Sie in unseren Einführungsartikeln (siehe Infos zur Methodik).


PLS-Übersetzung

Gibson W, et al. 2017. Transcutaneous electrical nerve stimulation (TENS) for neuropathic pain in adults.

Link zum CR: onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD011976.pub2/full


​Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) zur Behandlung neuropathischer Schmerzen ​

Das Wesentlichste

Es ist nicht möglich, überzeugend festzustellen, ob TENS im Vergleich zu Schein-TENS (einer unwirksamen Anwendung) zur Schmerzlinderung bei Erwachsenen mit neuropathischen Schmerzen wirksam ist.

Hintergrund

Neuropathische Schmerzen entstehen infolge einer Verletzung oder Erkrankung von Nerven und eine erfolgreiche Behandlung kann schwierig sein. Sie können nach einer direkten Nervenverletzung auftreten oder sich infolge von Problemen wie Diabetes, Gürtelrose oder Karpaltunnelsyndrom entwickeln. TENS ist eine verbreitete Behandlungsmethode für eine Reihe von Schmerzzuständen. Dabei kommt ein kleines, batteriebetriebenes Gerät zum Einsatz, mit dem elektrische Ströme schwacher Intensität angelegt werden durch auf die Haut angebrachte (selbstklebende) Elektroden. Dies soll die Schmerzen erleichtern.

Reviewfrage

Verbessert die Anwendung von TENS die Schmerzintensität und die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Erwachsenen mit neuropathischen Schmerzen?

Foto: praisaeng / Shutterstock.com

Studienmerkmale

Wir begutachteten alle geeigneten klinischen Studien, die bei Erwachsenen mit neuropathischen Schmerzen die Anwendung von TENS mit „vorgetäuschtem“ TENS (bekannt als Schein-TENS), der herkömmlichen Versorgung oder keiner Behandlung verglichen, oder Studien, welche die herkömmliche Versorgung alleine oder in Kombination mit TENS verglichen. Nach dem Stand von September 2016 fanden wir 15 für den Einschluss geeignete Studien. Von diesen 15 Studien konnten wir die Ergebnisse von fünf Studien zusammenfassen, um die Wirkung von TENS im Vergleich zu Schein-TENS für die Behandlung von Schmerzen zu untersuchen. Die Studien bezogen eine Reihe von neuropathischen Schmerzproblemen ein (zum Beispiel Menschen mit Rückenmarksverletzungen, Rückenschmerzen mit Nervenbeteiligung, Komplikationen im Zusammenhang mit Diabetes et cetera). Wir befanden die Qualität der Studien alles in allem betrachtet als niedrig.

Hauptergebnisse

Wir konnten nicht überzeugend feststellen, ob die Anwendung von TENS im Vergleich zu Schein-TENS zur Schmerzlinderung bei Erwachsenen mit neuropathischen Schmerzen wirksam ist. Dies ist begründet durch die sehr niedrige Qualität der Evidenz (des wissenschaftlichen Belegs), was bedeutet, dass wir sehr wenig Vertrauen in die Ergebnisse haben und dass künftige Studien die Resultate wahrscheinlich ändern werden. Durch die unzureichende Berichterstattung der Daten konnten wir keine Schlussfolgerungen ziehen bezüglich der Wirksamkeit von TENS auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die Einnahme von Schmerzmedikamenten oder den Eindruck der Menschen, inwiefern die Anwendung von TENS ihren Zustand verändert hat. Wir beschrieben die Ergebnisse von zehn weiteren Studien, welche die Anwendung von TENS mit anderen Therapieformen verglichen. Diese zehn Studien variierten ziemlich, weshalb wir diese nicht kombinieren und zusammen analysieren konnten. Zusammen mit der sehr niedrigen Qualität der zehn Studien bedeutet dies, dass wir keine Beurteilung hinsichtlich einer Schmerzerleichterung, der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, der Einnahme von Schmerzmedikamenten oder einer wahrgenommenen Veränderung abgeben können. In drei der 15 Studien kam es bei manchen Personen durch den Einsatz von TENS zu Hautirritationen unter den Elektroden. Drei Studien berichteten keine Probleme und die restlichen Studien gaben keine Details in Bezug auf unerwünschte Ereignisse an. Daher ist keine realistische Stellungnahme zu unerwünschten Ereignissen im Zusammenhang mit dem Einsatz von TENS möglich.

Mit freundlicher Genehmigung durch die Cochrane Library

Anmerkungen

1 hochschule 21 Buxtehude, Studiengang Physiotherapie

2 Richard Pflaum Verlag GmbH & Co KG, pt Zeitschrift füre Physiotherapeuten

3 Hochschule für Gesundheit Bochum, Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften, Studiengang Physiotherapie


Autor

Teilen & Feedback