_Evidenzbasierte Therapie

Ergonomie am Arbeitsplatz: Ist eine Kombination mit spezifischen Übungen effektiv?

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In dieser Studie nehmen die Forscher die Perspektive der Arbeitgeber ein und beschäftigen sich mit den sofortigen und langfristigen Effekten ergonomischer Maßnahmen, entweder in Kombination mit spezifischen Übungen am Arbeitsplatz (Übungsgruppe) oder mit Informationen über die Auswirkungen von Gesundheitsförderung auf die Produktivität (Informationsgruppe).

Untersucht wurden insgesamt 763 Büroangestellte aus 14 verschiedenen Betrieben – und zwar sowohl mit als auch ohne Nackenbeschwerden. Um für die Teilnahme geeignet zu sein, mussten folgende Einschlusskriterien erfüllt sein:

  1. Büroangestellte mit einem Mindestalter von 18 Jahren
  2. Wochenarbeitszeit von mindestens 30 Stunden
  3. keine Vorerkrankungen oder Kontraindikationen für Übungen

 

Die Teilnehmer wurden zudem noch anhand verschiedener Faktoren geclustert (unter anderem Gebäude, Stockwerk und Abteilung), bis eine optimale Clustergröße von fünf bis acht Teilnehmern erreicht war.

Die Interventionsphase dauerte zwölf Wochen. Die gesundheitsbezogene Produktivität dokumentierten die Forscher mit dem Health and Work Performance Questionnaire zu Beginn, nach zwölf Wochen und nach einem Jahr. Der Arbeitsplatz aller Angestellten wurde anhand einer Checkliste unter ergonomischen Gesichtspunkten begutachtet. Darauf basierend erhielten die Bürokräfte eine individuell angepasste Intervention.

Die Übungsgruppe (n = 381) bekam über einen Zeitraum von zwölf Wochen zusätzlich ein individuelles und progressiv gestaltetes spezifisches Übungsprogramm für die Halswirbelsäule mit elastischen Trainingsbändern und Gewichten. Die Angestellten trainierten dabei in Gruppen, dreimal pro Woche für je 20 Minuten. Die ersten beiden Einheiten wurden durch einen Physiotherapeuten angeleitet, der die Übungen erklärte und demonstrierte. Danach war der Therapeut noch einmal jede Woche anwesend. Die Einhaltung des Trainings wurde in einem Tagebuch dokumentiert.

Die Informationsgruppe (n = 382) nahm wöchentlich an einstündigen Seminaren teil, ohne spezifische Anleitung zu Übungen.

Insgesamt waren Produktivitätsverlust und Präsentismus (Arbeiten trotz Erkrankung) nach einem Jahr in der Übungsgruppe geringer ausgeprägt als in der Gruppe, die lediglich ergänzende Informationen erhalten hatte. Bei Büroangestellten mit Nackenbeschwerden führten die zusätzlichen Übungen kurzfristig zwar zu einem Anstieg der Abwesenheitszeiten wegen Krankheit, nach einem Jahr hatten die Teilnehmer der Übungsgruppe jedoch weniger Krankheitstage als die der Informationsgruppe.

Quelle: Pereira M, et al. 2018. The impact of workplace ergonomics and neck-specific exercise versus ergonomics and health promotion interventions on office worker productivity: a cluster-randomized trial. Scand. J. Work Environ. Health. Aug 22. [Epub ahead of print] Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30132008


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