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Freiwilligendienst in Kenia

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Foto: Çağatay Çetinsoy

Nach einer zweieinhalbstündigen Autofahrt stand ich auf dem Gelände des Misyani Small Home – hier würde ich das nächste Jahr verbringen. Ich weiß nicht mehr genau, was mir durch den Kopf ging, als ich dort stand, aber binnen wenigen Minuten war ich von Kindern umringt, die mich nach meinem Namen fragten. Diese Offenheit und das Vertrauen, das die Kinder mir entgegenbrachten, sollten mich für meine zukünftige Arbeit stärken. Ich kann auch nicht sagen, an welchem Morgen ich aufstand und realisierte, dass ich mich in Kenia befinde. Mein Traum hatte sich verwirklicht. Ich bin nun hier.


Das Projekt

Die ersten Tage verbrachte ich damit, mich mit der Einrichtung und den Menschen vor Ort vertraut zu machen. Das Misyani Small Home ist ein Teil der St. Francis Primary School in Misyani. Dabei handelt es sich um eine Boarding School (Internat) für Kinder, die aufgrund ihrer Beeinträchtigungen nicht imstande sind, einen täglichen Schulweg auf sich zu nehmen. Die Kinder sind jeweils über einen Zeitraum von vier Monaten dort untergebracht.

Im Jahr 1988, zum Zeitpunkt der Errichtung der Schule, sollten nur Schüler mit körperlichen Beeinträchtigungen im Small Home untergebracht werden. Mit der Zeit entstand eine größere Nachfrage, sodass seit einer Weile auch Schüler mit geistigen Beeinträchtigungen aufgenommen werden. Im Small Home sind 24 Kinder untergebracht; die angrenzende Schule hat mehr als 100 Schüler. „Unsere” Kinder sind in die normalen Schulklassen eingebunden.

Im Kollegium gibt es auch Lehrer mit einer sonderpädagogischen Ausbildung. Allerdings ist es nicht immer leicht, in den großen Klassen auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler einzugehen. Die Kinder erhalten einmal wöchentlich sowohl Physio- als auch Ergotherapie. Die Therapeuten kommen dienstags für knapp zwei Stunden aus dem Krankenhaus der nächsten größeren Stadt. „Die Zeit und die Ressourcen sind knapp”, wird mir gesagt, wenn ich frage, warum die Kinder nur einmal pro Woche behandelt werden.


Meine Aufgaben

Da ich in der Einrichtung der einzige ständig anwesende Physiotherapeut bin, habe ich einen Therapieplan erarbeitet. Alle im Small Home untergebrachten Kinder werden mindestens zweimal wöchentlich von mir behandelt. Ausführliche Berichte von meinem Vorgänger, einem spanischen Physiotherapeuten, haben mir dabei geholfen, mir ein Bild von den Kindern zu machen. Zusätzlich tausche ich mich mit den Therapeuten aus der Stadt aus. In Absprache mit den Lehrern ist es mir erlaubt, die Kinder aus dem Unterricht zu nehmen und mit ihnen zu arbeiten. Die Physiotherapie bietet den Kindern ein ruhiges Umfeld, um aus den teilweise überfüllten Klassen herauszukommen. Außerdem kann ich mir die Behandlungszeit flexibel einteilen, was es mir ermöglicht, auf die Bedürfnisse der Einzelnen einzugehen. Ich unterstütze die Kinder auch bei ihren alltäglichen Verrichtungen, wie beispielsweise bei der Körperpflege und bei Toilettengängen.

Surftipp
Çağatays Blog:

www.cagatay-geht-weltwaerts.jimdo.com

 

Heft 03-2018


Autor

Çağatay İkbal Çetinsoy

Physiotherapeut; 2012–2015 Ausbildung am Präha Lehrinstitut für Physiotherapie in Kerpen; seit 2015 tätig im Euregio-Reha-Zentrum des St. Antonius Hospitals in Eschweiler, Schwerpunkt: Orthopädie und (Unfall-)Chirurgie; Fortbildung in Manueller Lymphdrainage; arbeitet seit 2011 ehrenamtlich bei der Lebenshilfe FeD GmbH Aachen mit geistig und körperlich beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen.

cetinsoy@outlook.de

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