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Gibt es ein Muskelgedächtnis?

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Vom 4. bis 7. Juli 2018 fand in Dublin der 23. Jahreskongress des European College of Sport Science (ECSS) statt. Knapp 3.000 Teilnehmer aus 67 Ländern diskutierten vier Tage lang neue Erkenntnisse aus Training und Therapie. Der Sportwissenschaftler Dr. Jan Wilke von der Goethe-Universität Frankfurt fasst einige der interessantesten Beiträge für Sie zusammen.

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Oftmals stellt sich nach längeren Trainingspausen ein Verlust an Muskelmasse ein. Interessanterweise scheinen aber Menschen, die krafttrainingserfahren sind, die atrophierte Muskulatur schneller wieder aufbauen zu können. In seinem Plenarvortrag vermutete Kristian Gundersen von der Universität Oslo (Norwegen), dass es ein Muskelgedächtnis gibt, das hierfür verantwortlich ist.

So könne es sein, dass es bei einer längeren Inaktivität zwar zu einem Verlust an Muskelfasern komme, die Zahl der Muskelzellkerne aber gleich bleibe. Da Letztere eine Schlüsselrolle bei der Proteinsynthese einnehmen, kann Muskulatur nach Gundersens Theorie schneller wieder aufgebaut werden. Im Tierversuch konnte die Existenz des Muskelgedächtnisses bereits bestätigt werden.

Sollte sich ein ähnliches Phänomen auch beim Menschen bestätigen, wäre dies ein weiteres Argument dafür, im frühen Erwachsenenleben mit dem Krafttraining zu beginnen und so im hohen Lebensalter die drohende Sarkopenie einfacher bekämpfen zu können.

 

Literatur
Gundersen K. 2016. Muscle memory and a new cellular model for muscle atrophy and hypertrophy. J. Exp. Biol. 219:235–42

 

pt 11-2018


Autor

Jan Wilke

Sportwissenschaftler (M. A.); wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Sportmedizin (Prof. Banzer) am Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt; Forschungsschwerpunkte: Leitung des Arbeitsbereichs Faszienforschung, Sportrehabilitation und medizinische Trainingstherapie, chronische Rückenschmerzen.

wilke@sport.uni-frankfurt.de

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