_Evidenzbasierte Therapie

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Frühmobilisation und Verweildauer auf der Herz-Thorax-Intensivstation?

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Die physiotherapeutische Frühmobilisation auf der Intensivstation hat viele Vorteile für die Nachbehandlung. Verringert sich dadurch auch die Verweildauer dort und insgesamt im Krankenhaus? Diese Fragestellung überprüften Wissenschaftler an der Kentucky-Universität in Großbritannien in einer retrospektiven Studie von März 2012 bis Mai 2015. Sie werteten die Daten von 2.568 Erwachsenen aus, die auf der Herz-Thorax-Intensivstation behandelt worden waren. Die Physiotherapeuten führten mit den beatmeten Patienten beispielsweise Lagerungen, Bewegungsübungen (aktiv, resistiv), Transfers, Steh- und Gangtraining durch. Voraussetzung dafür war die stabile hämodynamische Situation, entsprechend den leitliniengerechten Vorgaben für die Frühmobilisation. Ausgeschlossen wurden unter anderem Schwangere. Die Patienten wurden folgenden krankheitsspezifischen Subgruppen zugeordnet:

  • Koronararterienbypass (n = 638)
  • Herzklappenersatz (n = 339)
  • Implantation eines Herzunterstützungssystems (ventricular assist device – VAD, n = 53)
  • extrakorporale Lungenunterstützung (extracorporeal membrane oxygenation – ECMO, n = 27)
  • Lungenversagen (n = 186)
  • Herztransplantation (n = 35)
  • Lungentransplantation (n = 32)

 

Die restlichen 1.258 Patienten litten an sonstigen Erkrankungen. Die Patienten mit Koronararterienbypass und Herzklappenersatz hatten weniger Komorbiditäten und benötigten mit durchschnittlich vier Tagen die kürzeste Frühmobilisation; sie wurden im Durchschnitt bereits nach zehn Tagen entlassen. Im Gegensatz dazu erhielten die Transplantationspatienten für durchschnittlich etwa acht Tage Physiotherapie auf der Intensivstation. Personen nach Lungenversagen konnten erst nach rund sieben Tagen mit der Frühmobilisation beginnen, die dann auch durchschnittlich zwölf Tage andauerte. Zudem hatten sie die längste Krankenhausverweildauer von allen untersuchten Patientengruppen. Die Regressionsanalyse verdeutlichte den Zusammenhang von spätem Beginn und langer Dauer der Frühmobilisation, großer Anzahl von Begleiterkrankungen sowie ausgedehnter Beatmungsdauer mit einer hohen Verweildauer auf der ITS und im Krankenhaus insgesamt. Zukünftige Studien sollten untersuchen, ob ein schnellerer Beginn der physiotherapeutischen Behandlung die Verweildauer auf der Intensivstation verkürzen kann.

Quelle: Johnson AM, et al. 2017. Timing and amount of physical therapy treatment are associated with length of stay in the cardiothoracic ICU. Sci Rep. 7, 1:17591 Volltext frei
Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29242519

 

Heft 03-2018


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