_Evidenzbasierte Therapie

Gonarthrose: Hängt der Therapieerfolg von der Übungshäufigkeit ab?

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Ja, so das Fazit einer US-amerikanischen Studie. Die Wissenschaftler interessierte, ob die Anzahl der Physiotherapieeinheiten oder die Häufigkeit der Nutzung eines internetbasierten Übungsprogramms Einfluss auf die Therapieergebnisse hat. Sie analysierten die Daten einer bereits abgeschlossenen multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Studie: 135 Patienten mit symptomatischer Gonarthrose erhielten Physiotherapie (PT), 124 führten ein internetbasiertes Übungsprogramm durch. In beiden Interventionen wurden die Patienten während vier Monaten zu Aktivität motiviert und angeleitet (progressive Dehn- und Kräftigungsübungen, unterstützt durch Eigenübungen). Die Patienten waren durchschnittlich 64,9 Jahre alt und zu rund 71 Prozent weiblich, etwa 41 Prozent waren zu Studienbeginn noch berufstätig. Die PT fand maximal achtmal für jeweils eine Stunde statt. Das internetbasierte Programm beinhaltete ein individualisiertes Übungsprogramm mit Informationen und Demonstrationsvideos. Außerdem wurden Erinnerungs-E-Mails versendet, falls sich ein Teilnehmer über einen längeren Zeitraum nicht eingeloggt hatte. Therapieerfolge wurden durch signifikante Verbesserungen im Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC) und Zwei-Minuten-Step-Test bestimmt.

Die Ergebnisse verdeutlichten den Zusammenhang zwischen einer größeren Anzahl von PT-Terminen (sechs bis acht Termine) und signifikant besserer Funktion sowie weniger Schmerz (WOMAC) nach vier und zwölf Monaten. Die Therapieerfolge hielten selbst acht Monate nach Ende der Intervention bei einigen Patienten an. Weniger PT-Termine (null bis ein Termin) bewirkten keine beziehungsweise geringere Erfolge (zwei bis fünf Termine) zu beiden Messzeitpunkten. Für die Subskala Schmerz im WOMAC war die Korrelation mit den PT-Terminen vier Monate nach Studienbeginn am stärksten, nach zwölf Monaten geringer. Für den Zwei-Minuten-Step-Test konnte kein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden; es bestand lediglich ein positiver Trend zwischen den Testergebnissen und Physiotherapieeinheiten. Die Nutzungshäufigkeit des internetbasierten Programmes wies keinen signifikanten Zusammenhang zu den Therapieergebnissen auf. Es war jedoch der Trend zu erkennen, dass eine häufige Nutzung mit besseren Therapieergebnissen korrelierte. In den ersten vier Monaten hatten sich die Teilnehmer im Schnitt an rund 21 Tagen eingeloggt, im einjährigen Untersuchungsverlauf waren es durchschnittlich 41 Tage. Die Autoren schlussfolgern, dass die gewonnenen Erkenntnisse in der klinischen Praxis und der Gesundheitsversorgung berücksichtigt werden sollten, da die zunehmende Anzahl an PT-Terminen mit einer mittel- und langfristigen Beschwerdelinderung in Zusammenhang stand.

Quelle: Pignato M, et al. 2018. Level of participation in physical therapy or an internet-based exercise training program: associations with outcomes for patients with knee osteoarthritis. BMC Musculoskelet. Disord. 19, 1:238 Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30025540

Heft 10-2018


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pt_Redaktion

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