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Hohe Bildschirmzeiten begünstigen Entwicklungsstörungen bei Kindern

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Foto: REDPIXEL.PL / shutterstock.com

[js] Kinder mit hohem Medienkonsum schneiden in Tests zu körperlichen und kognitiven Fähigkeiten oft schlechter ab als Kinder, die wenig Zeit vor Bildschirmen verbringen; außerdem sind sie häufiger verhaltensauffällig.

Wie so oft stellt sich die Frage, was zuerst kommt: Verhaltensprobleme, die zu einem höheren Medienkonsum führen, oder ein hoher Medienkonsum, der Entwicklungsverzögerungen verursacht? Offenbar ist Letzteres der Fall, schließen Psychologen und Pädiater um Dr. Sheri Madigan von der Universität in Calgary, Kanada, aus einer Kohortenstudie.

Für ihre Analyse werteten die Forscher Angaben einer prospektiven Schwangerschaftskohorte mit rund 2.450 Kindern aus. Die Mütter füllten zwei, drei und fünf Jahre nach der Geburt einen Entwicklungsfragebogen mit 30 Fragen zur motorischen, kognitiven und sozialen Entwicklung aus (Ages and Stages Questionnaire – ASQ-3). Zugleich sollten sie auch angeben, wie oft ihr Kind vor dem Fernseher saß oder sich mit elektronischen Bildschirmspielen beschäftigte und wie oft es körperlich aktiv war. 

Die Forscher untersuchten die Zusammenhänge zwischen Bildschirmzeit und Entwicklung sowohl zwischen den Kindern als auch im zeitlichen Verlauf der einzelnen Kinder.

Insgesamt erreichten dabei Kinder mit hoher Bildschirmzeit im Schnitt sowohl zu den jeweiligen als auch zu späteren Zeitpunkten signifikant schlechtere Werte beim ASQ-3. Allerdings gab es deutliche Schwankungen, also auch Kinder mit hoher Bildschirmnutzung und besonders guter Entwicklung.

Analysierten die Forscher bei den einzelnen Kindern die Bildschirmzeit mit zwei Jahren und die Testergebnisse mit drei und fünf Jahren, so zeigten Kinder mit hoher Bildschirmnutzung als Zweijährige eine signifikant langsamere Entwicklung mit drei und fünf Jahren.

Insgesamt war der ASQ-3-Wert umso höher, je öfter die Eltern ihren Kindern vorlasen, je mehr die Kinder schliefen und je mehr Zeit sie mit körperlichen Aktivitäten verbrachten.

Literatur

1. Madigan S, et al. 2019. Association between screen time and children’s performance on a developmental screening test. JAMA Pediatr. Jan 28. [Epub ahead of print]

Heft 04-2019


Autor

Jörg Stanko

Physiotherapeut seit 1992; bis 2013 in verschiedenen Praxen und Krankenhäusern tätig; Schriftsteller; schreibt Romane, Kinder­bücher und Ruhrgebietskrimis; Referent für kreatives Schreiben; Vater eines Sohnes; freier pt-Autor und pt-Redakteur

stanko@pflaum.de

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