_Evidenzbasierte Therapie

Hypermobilität in der Kindheit: Ist eine multimodale Therapie effektiv?

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Viele Kinder sind sehr beweglich. Ein Problem wird dies nur, wenn die konstitutionelle Hypermobilität muskuloskelettale Schmerzen und Dysfunktionen verursacht. Eine multimodale Therapie könnte helfen – deren Effektivität überprüften Forscher aus Großbritannien nun in einer randomisierten kontrollierten Studie. Sie teilten 119 Kinder zwischen fünf und 16 Jahren zufällig in zwei Gruppen auf. Die Teilnehmer hatten mindestens vier Punkte im Beighton Score und über fünf Punkte im Bulbena Score (Mädchen über sechs Punkte) sowie seit über drei Monaten muskuloskelettale Schmerzen in mindestens einer Körperregion. Nicht eingeschlossen wurden Kinder mit entzündlichen Erkrankungen und chronischen Schmerzen oder chronischer Fatigue. Für acht Wochen erhielt die Kontrollgruppe (n = 60) die herkömmliche Behandlung mit Arztkonsultation, Informationen und Schmerzedukation, Hinweisen zu gesundheitsfördernden körperlichen Aktivitäten, Muskelkräftigung und einer offiziellen Informationsbroschüre. Zudem verordnete der Arzt bei Bedarf notwendige Therapien: Physiotherapie, Ergotherapie, Orthopädietechnik. Die Interventionsgruppe (n = 59) absolvierte eine strukturierte multimodale Therapie in der Klinik, Schule und zu Hause. Diese basierte auf den aktuellen Forschungsdaten und Spezialistenempfehlungen. Sie beinhaltete drei individuelle Physiotherapietermine sowie Ergotherapie. Die Kinder erhielten Informationen, Anleitungen und Therapie zur Verbesserung von Stabilität und Kraft, eine Ganganalyse und Orthesenversorgung bei Fußfehlstellungen. Mit verschiedenen Skalen und Fragebogen wurden Schmerz, Funktion und Koordination gemessen: Wong-Baker-Faces-Schmerzskala, Visuelle Analogskala, Child Health Assessment Questionnaire, Child Health Utility 9-Dimensional Assessment, Movement Assessment Battery for Children Version 2. Die Kraft wurde mit einem Handdynamometer beurteilt.

Nach zwölf Monaten konnten die Ergebnisse von 105 Kindern ausgewertet werden. Es gab bei ihnen keinen statistischen Unterschied bezüglich der verglichenen Therapieerfolge. Beide Gruppen hatten sich ähnlich gut verbessert in Bezug auf den von Kindern und Eltern berichteten Schmerz sowie Koordination und Greifkraft. Dies war abhängig von der Symptomstärke: Je mehr Beschwerden die Kinder zu Beginn hatten, umso größer war der Therapierfolg nach einem Jahr. Der Studie zufolge sind bereits Edukation und individuelle Therapie für Kinder mit symptomatischer Hypermobilität ausreichend und wirksam, sodass es keiner weiteren strukturierten multimodalen Therapie bedarf.

Beighton Score und Bulbena Score
Beide klinischen Assessments beschreiben die standardisierte Testung von Beweglichkeitsuntersuchungen verschiedener Gelenke und zeigen ab einem definierten Punktwert an, ob ein Mensch hypermobil ist. Der Beighton Score beurteilt fünf Bereiche: die Überstreckbarkeit am kleinen Finger, Daumen, Ellenbogen, Knie und bei der Wirbelsäulenflexion. Im Vergleich dazu umfasst der Bulbena Score neun Körperregionen: Daumen, Handwurzel, Ellenbogen, Schulter und Hüfte, Knie, Patella, Sprunggelenk und Fußwurzel.

 

Quelle: Bale P, et al. 2019. The effectiveness of a multidisciplinary intervention strategy for the treatment of symptomatic joint hypermobility in childhood: a randomised, single centre parallel group trial (the Bendy Study). Pediatr. Rheumatol. Online 17, 1:2 Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30621718

 

Heft 04-2019


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pt_Redaktion

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