_Evidenzbasierte Therapie

Ist durch Krafttraining eine generelle Mobilitäts- und Funktionsverbesserung von Senioren nach operativ versorgter Schenkelhalsfraktur möglich?

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Foto: Martina Osmy / shutterstock.com

Übungen bewirken oftmals eine lokale Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Funktion. Doch geht dies auch mit einer generell gesteigerten Mobilität und Funktion einher? Diese Frage veranlasste ein südkoreanisches Forscherteam dazu, ein systematisches Review mit Meta-Analyse entsprechend der aktuellen Richtlinien des PRISMA-Protokolls zu erstellen. Die Wissenschaftler nahmen eine systematische Suche in den Datenbanken PubMed, Embase und Cochrane Library im Januar 2017 vor. Konkret wollten sie wissen, ob durch progressive Kräftigungsübungen für die untere Extremität die Mobilität und Funktion von älteren Patienten verbessert werden kann, die nach einer Schenkelhalsfraktur operativ versorgt worden waren. Eingeschlossen wurden acht englischsprachige randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 587 Patienten, die progressive Kräftigungsübungen (konzentrisch, exzentrisch, mit Gewichten oder anderen Therapiegeräten) mit der konventionellen Rehabilitation (ohne Kräftigungsübungen) verglichen hatten. Die Art der operativen Versorgung spielte keine Rolle. Von besonderem Interesse war die Gehfunktion, beurteilt mit dem Sechs-Minuten-Gehtest (6MWT). Sekundäre Ergebnisparameter waren Alltagsaktivitäten, Gleichgewicht, Kraft und Leistung der unteren Extremität, Durchführung einer Bewegungsaufgabe (zum Beispiel im Timed-Up-and-Go-Test) und die körperliche Aktivität laut eigener Einschätzung der Patienten.

Progressive Kräftigungsübungen bewirkten bei den 319 Probanden mittel- und langfristig eine bessere generelle körperliche Funktion im Vergleich zur Kontrollgruppe (268 Patienten). Der Zeitraum der Nachuntersuchung variierte von drei Monaten bis ein Jahr. Das Krafttraining wirkte sich positiv auf die Mobilität, Alltagsaktivitäten, Gleichgewicht, Kraft der unteren Extremität sowie Leistungsfähigkeit im Allgemeinen aus. Die wahrgenommene körperliche Aktivität unterschied sich nicht bei den untersuchten Patienten. Die RCTs waren überwiegend qualitativ gut und es gab wenig Verzerrungen. Für Senioren nach operativ versorgter Schenkelhalsfraktur empfehlen die Autoren progressive Kräftigungsübungen, da sie zu einer besseren Mobilität, Funktion und Leistungsfähigkeit führen. Falls Faktoren wie Sturzangst, Schmerz oder geringe Selbstwirksamkeit ein Krafttraining erschweren, sollte dieses in ein multidisziplinäres Therapiekonzept eingebunden werden.

PRISMA
PRISMA steht für „Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses“. Das PRISMA-Statement ist eine Checkliste mit 27 Punkten zur Berichterstattung und Veröffentlichung einer systematischen Literaturübersicht (Review) oder Meta-Analyse. Es handelt sich um die inhaltliche Revision und namentliche Ablösung des vorherigen QUQROM-Statements.

 

Quelle: Lee SY, et al. 2017. Effect of lower-limb progressive resistance exercise after hip fracture surgery: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled studies. J. Am. Med. Dir. Assoc. Oct 12. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29033325

 

Heft 1-2018


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