_Evidenzbasierte Therapie

Kann eine myofunktionale Therapie im Bereich von Zunge, Mund und Rachen das Schnarchen verringern?

.

Foto: Maridav / shutterstock.com

Oropharyngeale und Zungenübungen (myofunktionale Therapie) zeigten sich in anderen Studien schon wirksam gegen das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Nun wollten amerikanische Forscher wissen, ob dies auch für das Schnarchen gilt. Sie recherchierten in den Datenbanken MEDLINE, Google Scholar, Cochrane Library und CINAHL bis 25. November 2017. Eingeschlossen wurden schnarchende Kinder und Erwachsene, die mit Übungen für Zunge, Mund- oder Rachenraum therapiert wurden; Intensität und Frequenz des Schnarchens mussten erfasst worden sein. Es konnten neun Studien mit insgesamt 211 Erwachsenen eingeschlossen und anhand der PRISMA-Kriterien (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analysis) analysiert werden. Die Probanden machten Sprech-, Mimik-, Zungenkoordinations- und Beweglichkeitsübungen der Kiefergelenke sowie funktionelle Kau-, Schluck- und Saugübungen für mindestens drei Monate. In allen Studien zeigten sich Verbesserungen durch die Therapie: Bei 80 Patienten konnte das Schnarchen um 51 Prozent reduziert werden, gemessen mit einer Visuellen Analogskala. Studien, die den Berlin-Fragebogen (siehe Kasten) verwendet hatten, wiesen nach der Therapie bei 34 Patienten eine geringere Schnarchintensität nach (36 Prozent weniger). Außerdem verringerte sich die Schnarchzeit bei 60 Patienten von durchschnittlich 26 auf 18 Prozent der Gesamtschlafdauer. Die Recherche ergab keine Studien, welche das Schnarchen von Kindern untersucht hatten. Die Autoren schlussfolgern, dass mit myofunktionaler Therapie das Schnarchen von Erwachsenen positiv beeinflusst werden kann.

Berlin-Fragebogen
Der Fragebogen erfasst das Schlafapnoe-Risiko. Erfasst werden Körpergewicht, Größe, Alter, Geschlecht, Gewichtsveränderungen, Blutdruck, Schnarchen (Lautstärke, Häufigkeit, Störung anderer Personen, Atemstörungen beim Schlafen) sowie Müdigkeit am Morgen und Schläfrigkeit am Tag. Das Schnarchen wird dabei beispielsweise in „niemals“, „ein- bis zweimal pro Monat oder pro Woche“, „drei- bis viermal die Woche“ und „täglich“ eingeteilt.

Quelle: www.schlafmedizin-frankfurt.de/schlafapnoe-risiko

 

Quelle: Camacho M, et al. 2017. Oropharyngeal and tongue exercises (myofunctional therapy) for snoring: a systematic review and meta-analysis. Eur. Arch. Otorhinolaryngol. Dec 23. [Epub ahead of print]
Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29275425

 

Heft 03-2018


Autor

pt_Redaktion

Haben Sie Fragen zum Artikel oder zum Portal? Schreiben Sie uns doch!

pt.redaktion@pflaum.de

Teilen & Feedback