_Evidenzbasierte Therapie

Lindern Stabilisationsübungen effektiv Schmerzen bei Erwachsenen mit Skoliose?

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Foto: Puwadol Jaturawutthichai / shutterstock.com

Die Prävalenz der Skoliose in der erwachsenen Bevölkerung liegt laut Alanazi und Kollegen zwischen 1,4 und 20 Prozent, bei den über 60-Jährigen sind 68 Prozent betroffen. Die Wirksamkeit von Übungen zur Rumpfstabilisation ist für Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen gut untersucht, die Studienlage bei adulter Skoliose ist noch nicht so deutlich. Daher prüften Wissenschaftler der kanadischen University of Alberta in ihrer systematischen Literaturübersichtsarbeit den Nutzen dieser Übungen zur Schmerzlinderung. Dazu sichteten sie relevante Studien in den Datenbanken Medline, CINAHL, Embase, SportDiscus und Cochrane Register of Controlled Trials bis März 2017. Eingeschlossen wurden Studien, die stabilisierende Rumpfübungen mit einer Placebointervention oder einer ausbleibenden beziehungsweise anderen Therapie verglichen. Die Probanden mussten mindestens 18 Jahre alt sein und einen Cobb-Winkel von zehn Grad oder mehr haben. Ausgeschlossen wurden Personen mit Wirbelsäulenverletzungen in der Krankheitsgeschichte, Injektionen in den vergangenen sechs Monaten, für die Wirbelsäule relevanten Zusatzerkrankungen, Operationen an Beinen oder Rumpf oder beim Verdacht auf Red Flags. Die Autoren beurteilten die Studienqualität und das Verzerrungsrisiko mithilfe der Cochrane-Kriterien. Die relevanten klinischen Zielgrößen waren die Schmerzintensität, Lebensqualität und Funktion. Von insgesamt 630 gefundenen Studien prüften die Forscher die Volltexte von 98 Artikeln – ein einziger entsprach allen Ein- und Ausschlusskriterien und wurde berücksichtigt, alle anderen hatten Mängel im Studiendesign oder die Probanden passten nicht zur Fragestellung. Die Studie wertete die Daten von 130 Patienten aus. Die Interventionsgruppe führte 20 Wochen lang einmal wöchentlich für 60 Minuten Übungen durch, auch zur posturalen Selbstkorrektur, und erhielt zusätzlich zweimal pro Monat einen 60-minütigen Termin bei einem Psychologen (kognitive Verhaltenstherapie). Die Kontrollgruppe bekam im selben Zeitraum konventionelle Physiotherapie, bestehend aus Eigenmobilisationen, Kräftigungsübungen und Dehnungen. Die Studie hatte ein geringes Verzerrungsrisiko, bis auf die Aspekte Blindung und Zeitpunkt der Assessments: Hier blieb unklar, ob der Zeitpunkt für die Durchführung der Assessments für Interventions- und Kontrollgruppe identisch war. Da lediglich eine einzige Studie in diesen Literaturreview inkludiert wurde, besteht nur sehr begrenzte Evidenz dafür, dass rumpfstabilisierende Übungen Schmerzen lindern (Verbesserung um 3,2 Punkte auf der Numerischen Schmerzskala) und die Lebensqualität erhöhen (gemessen mit dem Scoliosis Research Society Outcomes Questionnaire – SRS-22). Aufgrund der begrenzten Studienlage empfehlen die Autoren, dass auf dem Gebiet der adulten Skoliose weiter geforscht werden sollte, auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels hin zu einer älteren Bevölkerungsstruktur.

Quelle: Alanazi MH, et al. 2017. Effect of stabilization exercise on back pain, disability and quality of life in adult with scoliosis: a systematic review. Eur. J. Phys. Rehabil. Med. Nov 16. [Epub ahead of print] Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29144110

 

Heft 02-2018


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pt_Redaktion

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