_Evidenzbasierte Therapie

​Meniskusteilruptur: Ist eine Arthroskopie notwendig? ​

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Nein, so das Ergebnis einer Studie aus den Niederlanden. Es ist bereits bekannt, dass Physiotherapie kurzfristig effektiv ist zur Schmerzlinderung und Verbesserung der Funktion. Der Nutzen einer arthroskopischen Versorgung im Vergleich dazu ist unklar – insbesondere, was den langfristigen Erfolg angeht. Trotzdem werden in der Praxis immer noch häufig partielle Meniskektomien durchgeführt. Daher untersuchten Forscher, ob Physiotherapie einer arthroskopischen Versorgung unterlegen ist. Aus neun verschiedenen Kliniken waren insgesamt 321 Patienten im Alter zwischen 45 und 70 Jahren mit Meniskusteilruptur beteiligt.

Patienten mit vorheriger Operation, Einklemmungssymptomen, Instabilität, schwerer Arthrose (Kellgren-Lawrence Score: vier) und einem Body-Mass-Index von 35 oder mehr wurden ausgeschlossen. Zwischen degenerativen und traumatischen Meniskusrissen wurde nicht unterschieden. Die Forscher teilten die Patienten per Zufall einer von zwei Gruppen zu: 159 Patienten wurden arthroskopiert (OP), 162 bekamen Physiotherapie (PT). Die operierten Patienten erhielten standardmäßig Übungen für zu Hause; eine ergänzende Physiotherapie wurde nur verordnet, wenn der Verlauf postoperativ nicht wie gewünscht war und zum Beispiel Schmerzen und Funktionseinschränkungen persistierten.

Das PT-Protokoll wurde in den Kliniken durch einen Kniespezialisten beziehungsweise den Studienkoordinator angeleitet und beinhaltete 16 Einheiten über zwei Monate. Zum Programm gehörten kardiovaskuläres Training, Koordinations- und Balancetraining sowie Übungen in der geschlossenen Kette. Im Fall einer nicht erfolgreichen physiotherapeutischen Behandlung konnten die Patienten entweder zusätzliche Termine wahrnehmen oder sich operieren lassen.

Primäre Zielgröße war die Veränderung der Kniefunktion (International Knee Documentation Committee Subjective Knee Form) über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Forscher legten vorab einen Unterschied von acht Punkten als Grenze für die Beurteilung der Äquivalenz fest. Rund 90 Prozent der Patienten beendeten die Studie. In der PT-Gruppe erhielten 47 Teilnehmer (29 Prozent) im Verlauf der Studie aufgrund anhaltender Symptome doch eine Arthroskopie; in der OP-Gruppe wurden acht Teilnehmer (fünf Prozent) nicht wie geplant operiert, da sie ihre Symptome nicht als so stark einstuften, dass ein Eingriff nötig wäre. Bei neun Patienten mit Arthroskopie kam es zu gravierenden unerwünschten Ereignissen, wie einer Thrombose oder einer zusätzlichen OP; in der PT-Gruppe war dies bei acht Patienten der Fall. Nach zwei Jahren hatte sich die Kniefunktion in der OP-Gruppe um rund 26 Punkte verbessert, in der PT-Gruppe waren es durchschnittlich 20 Punkte.

Die Forscher schlussfolgern, dass Physiotherapie einer Arthroskopie nicht unterlegen war, um die Kniefunktion zu verbessern, und daher als Alternative und Therapie der ersten Wahl in Betracht gezogen werden sollte.

Quelle: Van de Graaf VA, et al. 2018. Effect of early surgery vs physical therapy on knee function among patients with nonobstructive meniscal tears: the ESCAPE randomized clinical trial. JAMA 320, 13:1328–37

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30285177

Heft 01-2019


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pt_Redaktion

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