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Nachrichten-Special: Mehr Eisen für Kinder?

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Rund 1.000 Teilnehmer konnten sich im Mai beim Deutschen Olympischen Sportärztekongress in Hamburg über die neuesten Erkenntnisse aus der bewegungsbezogenen Forschung austauschen. Die Konferenz wurde von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) organisiert. Der Sportwissenschaftler Dr. Jan Wilke fasst einige der Vorträge für Sie zusammen.

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Foto: Ruslan Shugushev / shutterstock.com

Im Krafttraining mit heranwachsenden Jugendlichen wird traditionell empfohlen, auf zu hohe Lasten zu verzichten. Prof. Dr. Adamantios Arampatzis von der Humboldt-Universität Berlin lieferte in seinem Überblicksvortrag hingegen interessante Argumente für ein intensiveres Training.

So komme es beim Krafttraining häufig zu einer asynchronen Entwicklung von Muskulatur und Sehnenbelastbarkeit; eine solche Dysbalance könne die Entstehung von Tendopathien begünstigen. In einer Serie von Untersuchungen ermittelten Arampatzis und seine Mitarbeiter daher die optimalen Parameter eines sehnenadäquaten Trainings. Zu einer Steigerung der Sehnensteifigkeit – und damit einer möglichen Vermeidung der Muskel-Sehnen-Dysbalance – komme es insbesondere bei der Wahl von hohen Intensitäten. Ein entsprechendes, langfristig orientiertes Protokoll (mindestens für drei Monate) könnte folgendermaßen aussehen: fünf Serien mit je vier Wiederholungen, mindestens drei Sekunden Kontraktionsdauer, bei 90 Prozent des Einwiederholungsmaximums. Trotz der vielversprechenden Erkenntnisse wies Arampatzis jedoch darauf hin, dass Gestaltung und Dosierung im Jugendalter vorsichtig vorgenommen werden müssten, um Überlastungen und Schäden im Bereich der Wachstumsfugen zu verhindern.

Literatur: Mersmann F, et al. 2017. Imbalances in the development of muscle and tendon as risk factor for tendinopathies in youth athletes: a review of current evidence and concepts of prevention. Front. Physiol. 8:987

Heft 09-2018


Autor

Jan Wilke

Sportwissenschaftler (M. A.); wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Sportmedizin (Prof. Banzer) am Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt; Forschungsschwerpunkte: Leitung des Arbeitsbereichs Faszienforschung, Sportrehabilitation und medizinische Trainingstherapie, chronische Rückenschmerzen.

wilke@sport.uni-frankfurt.de

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