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Neue Qualitätsindikatoren für Physiotherapie auf Intensivstationen

DIVI betont Wichtigkeit der Frühmobilisation

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[js] Wie können Patienten auf einer Intensivstation noch erfolgreicher und sicherer behandelt werden? Eine Antwort auf diese Frage liefern die Qualitätsindikatoren des Peer Reviews, das die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) mitentwickelt hat. „Sie stellen höhere Anforderungen an die Intensivstationen und das dort tätige Personal“, konstatiert Professorin Elke Muhl, Sprecherin der nationalen Steuerungsgruppe für das Peer Review bei der DIVI. Ziel sei es, die Behandlung der Patienten zu verbessern.

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Beim Peer Review können Intensiv-Teams ihre Arbeit freiwillig und vertraulich durch Fachkollegen begutachten und beraten lassen, um Stärken und Schwächen zu entdecken. Grundlage für die Begutachtung ist unter anderem ein Katalog von zehn Indikatoren, anhand derer sich die Qualität einer Intensivstation gut einschätzen und messen lässt. Dieser Katalog wird alle vier Jahre durch ausgewiesene Experten überarbeitet und an den Stand des medizinischen Wissens angepasst. Die jüngste, dritte Auflage wurde im Juni fertiggestellt. „Der wissenschaftliche Erkenntnisfortschritt der vergangenen Jahre ist in die neuen Qualitätsindikatoren eingeflossen“, erklärt Intensivmedizinerin Muhl.

Prof. Dr. med. Elke Muhl Foto: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)


Bedeutung der frühen Physiotherapie neu aufgenommen

Ganz neu eingeführt wurde der Indikator „Frühmobilisation“. „Damit wird erstmals auch die Bedeutung der Physiotherapie für den Patienten betont“, erläutert Elke Muhl. Wenn Intensivpatienten schon in den ersten Tagen im Krankenbett mit angeleiteten oder passiven Bewegungsübungen beginnen, können beispielsweise dem Verlust von Muskel- und Lungenfunktionen, aber auch der kognitiven Fähigkeiten vorgebeugt werden. In diesem Feld wird beim Peer Review auch berücksichtigt, ob ein Krankenhaus Standards für die Lagerungstherapie festgelegt hat und befolgt. „Wir wissen, dass Positionsveränderungen des Patienten positive Auswirkungen haben“, betont Muhl. Je nach Erkrankungsbild und individuellem Risiko seien beispielweise Bauchlage, Seitenlagerung oder die Hochlagerung des Oberkörpers angezeigt, während anhaltendes flaches Liegen auf dem Rücken mit tief liegendem Kopf eher schädlich sei.


Bekämpfung von Infektionen stärker berücksichtigt

Seit diesem Jahr wird im Peer Review zudem noch stärker auf das Infektionsmanagement der Station geachtet. Bereits in den vergangenen Jahren wurde untersucht, ob auf der Intensivstation bakterielle Entzündungen so früh wie möglich mit Antibiotika behandelt wurden, sofern das notwendig war.

In den neuen Qualitätskriterien ist zusätzlich aufgenommen, dass frühzeitig eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen soll, bevor das passende Antibiotikum gegeben wird. Auch sollen unnötige Antibiotikagaben vermieden werden. Für eine optimale Behandlungsqualität sei auch „die Einbeziehung von infektiologisch speziell ausgebildeten Ärzten“ notwendig, so Muhl. Ein gutes Intensiv-Team beachte außerdem konsequent die Leitlinien von Fachgesellschaften zur Diagnostik und Behandlung von Infektionen.


Kommunikation und Dokumentation

Konkretisiert wurden in der dritten Auflage der Qualitätsindikatoren auch, welche Ziele als Ergebnisse der täglichen Visite festgehalten werden sollen. „Kommunikation und Dokumentation dieser Behandlungsziele sind für den Patienten nachweislich vorteilhaft“, sagt Muhl. So wissen alle Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten, was für den betreffenden Patienten kurz- und mittelfristig erreicht werden soll. So soll in jedem einzelnen Fall festgehalten werden, welche Ziele unter anderem für die Ernährung, den Flüssigkeitshaushalt, die Beatmung, Schmerztherapie und Narkose des Patienten die Behandler anstreben. Auch sollen sie für jeden Patienten die geplanten Untersuchungen und Therapiemaßnahmen abstimmen und klären, welche Schritte und Ergebnisse mit den Angehörigen besprochen werden müssen.


Ein evidenzbasiertes, ergebnisorientiertes Verfahren

Die Stärke solcher Qualitätsindikatoren sieht Elke Muhl darin, dass sie nicht durch Fachfremde wie beispielsweise Ökonomen definiert sind, sondern anhand strenger wissenschaftlicher Kriterien durch Experten der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in der DIVI. Diese würden zudem darauf achten, dass jeder Faktor relevant für das Überleben und die Genesungsaussichten von Intensivpatienten ist. „Das Peer Review konzentriert sich darauf, was davon tatsächlich vor Ort am Patienten ankommt“, betont Muhl. Deshalb wird jede Intensivstation, die an dem Verfahren teilnimmt, einen Tag lang von erfahrenen Ärzten und Pflegekräften besucht.


Zur Person

Prof. Dr. med. Elke Muhl ist Oberärztin für die chirurgische Intensivstation IOI-II am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck. Ein Herzensanliegen ist der 65-Jährigen die Etablierung und Weiterentwicklung des intensivmedizinischen Peer Reviews, eines Verfahrens im Qualitätsmanagement auf Intensivstationen. Sie ist Sprecherin der zuständigen nationalen Steuerungsgruppe für das Peer Review-Verfahren Intensivmedizin der DIVI. 2013 und 2014 war sie zudem Präsidentin der Fachgesellschaft. Für ihre besonderen Verdienste um die interdisziplinäre Vereinigung wurde Elke Muhl 2016 die Ehrenmitgliedschaft der DIVI verliehen.

Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)

pt online 6.12.2017


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