_Praxis

Physiotherapie und Training bei Patienten mit COPD

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Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) leiden insbesondere bei Belastung unter Atemnot. Damit die Patienten nicht in einen Teufelskreis aus Inaktivität und fortschreitender Dekonditionierung geraten, der letztlich zu einer Verstärkung der Atemnot führt, müssen sie unter professioneller Anleitung trainieren. Dafür ist eine detaillierte Anamnese sowie Untersuchung von Leistungsfähigkeit und Lebensqualität wichtig. Und es gibt inzwischen „offene Türen“ für den Zugang zu physiotherapeutischen Leistungen.

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Das Akronym COPD leitet sich aus dem Englischen ab und steht für „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“. Der Begriff beschreibt eine chronisch progrediente Lungenkrankheit mit einer Obstruktion, die nach Gabe von atemwegsweitenden Medikamenten nicht vollständig reversibel ist. Die COPD geht mit einer gesteigerten Entzündungsreaktion in den Atemwegen einher, die durch die langjährige Inhalation von Partikeln und Gasen ausgelöst wird. Exazerbationen und Komorbiditäten können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen (1, 2).


Pathologie

Die Atemwegsobstruktion hat zwei wesentliche Ursachen: eine Entzündung im Bereich der kleinen Atemwege (obstruktive Bronchiolitis) und eine Destruktion von Lungengewebe (Emphysem). Der relative Beitrag beider pathophysiologischer Veränderungen zum Krankheitsbild ist durchaus variabel (1).

Die fortlaufende Entzündung in den kleinen Atemwegen erreicht die tiefergelegenen Muskelschichten. Die Reaktion darauf ist, dass die betroffenen Atemwege verdicken, sich zusammenziehen und letztlich pathologisch verengen. Der Luftstrom durch die verengten Bereiche wird erschwert. Zudem werden die Flimmerhärchen in den Schleimhäuten der Bronchien geschädigt. Als Folge wird zusätzliches Sekret produziert, was sich negativ auf den Abtransport von Schadstoffen auswirkt und den Luftstrom weiter erschwert. Eine Kompensation erfolgt über die Atemmuskeln, die zunehmend mehr Kraft aufbringen müssen, um den Luftstrom in den verengten Atemwegen aufrechtzuerhalten. Diese Kompensation geht mit einem zusätzlichen Verbrauch von Sauerstoff einher, der ohnehin unzureichend vorhanden ist – die Atemnot nimmt zu.

Obstruktive Bronchiolitis und Emphysem können einen Kollaps der Atemwege während der Ausatmung und eine Überblähung der kleinen Lungenbläschen bedingen. Die eingeatmete Luft kann also nicht mehr rechtzeitig komplett ausgeatmet werden, weshalb nicht ausreichend Volumen für die Einatmung sauerstoffreicher Luft zur Verfügung steht, was wiederum zum Phänomen der Überblähung unter Belastung und daraus resultierender Atemnot führen kann (1, 2).

In fortgeschrittenen Stadien der COPD finden sich Hinweise auf eine systemische Manifestation der primär pulmonalen Erkrankung (1, 2). In diesen Stadien prägen muskuläre, bindegewebige, ossäre, nutritive und psychische Veränderungen das klinische Bild des Patienten (1, 2). Außerdem lassen sich überzufällig häufig kardiale und kardiovaskuläre Komorbiditäten wie koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Hypertonie nachweisen (1).


Prävalenz

Die COPD gilt weltweit als die Erkrankung mit den höchsten Zuwachsraten. Neben Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen stellt sie die am häufigsten zum Tode führende Erkrankung dar. COPD verkürzt nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Lebenserwartung im Schnitt um neun Jahre (3). Als chronische Erkrankung gehört die COPD für die Weltgesundheitssysteme zu den teuersten Erkrankungen überhaupt.

Trotz dieser drastischen Zahlen hinsichtlich Morbidität, Letalität und Kosten wurde die COPD lange Zeit in der Öffentlichkeit nur wenig beachtet. Die WHO hat daher 2002 die „Burden of Chronic Obstructive Lung Disease Initiative“ (BOLD) gestartet, um in mehr als 35 Ländern auf allen Kontinenten eine Prävalenzbestimmung und Risikofaktorenanalyse durchzuführen (3). Der Großraum Hannover war dabei als deutsche Modellregion vertreten. Insgesamt zeigte sich eine mehr als vierfach höhere Prävalenz von COPD als zuvor vermutet; erschreckend war dabei vor allem die hohe Zahl an Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung. Insgesamt waren weltweit im Schnitt mehr als 15 Prozent aller über 40-Jährigen an COPD erkrankt, davon in etwa die Hälfte in einem fortgeschrittenen Stadium und zwei bis vier Prozent in einem schweren Stadium der Erkrankung.

Deutschland wies neben Island die geringste Prävalenz für COPD unter den zwölf ausgewerteten Ländern auf – dennoch lag diese auch hier noch bei knapp 14 Prozent der über 40-Jährigen (3).


Ursachen

Häufigste Ursache der COPD ist mit etwa 90 Prozent das langjährige, inhalative Rauchen diverser Tabakprodukte. Daneben sind auch andere Faktoren bekannt, wie genetische Prädisposition (Alpha-1-Protease-Inhibitor-Mangel) und erworbene Faktoren wie berufsbedingte Stäube, allgemeine Luftverschmutzung sowie häufige Atemwegsinfektionen in der Kindheit (1).


Teufelskreis

Die Erkrankten befinden sich bei fortgeschrittener COPD in einer Inaktivitätsspirale. An deren Beginn steht zunehmende Belastungsdyspnoe, die über Bewegungsmangel eine langsam fortschreitende Dekonditionierung der Muskulatur bedingt, aus der eine schleichend progrediente Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit resultiert. Dies wirkt sich nachteilig auf den Beruf, das Privatleben und damit auf die allgemeine und organspezifische Lebensqualität aus (1).

Patienten mit COPD leiden unter Atemnot, die bei körperlicher Belastung zunimmt (1). Sie neigen deshalb dazu, körperliche Anstrengung in dem Maße zu meiden, wie die Atemnot bei Alltagsbelastungen zunimmt. Körperliche Inaktivität führt jedoch zu einer Dekonditionierung des Herz-Kreislauf-Systems und der Muskulatur, begünstigt die Entwicklung von Osteoporose und führt zu einer Reduktion der koordinativen Fähigkeiten, was sich negativ auf den ursächlichen Bewegungsmangel auswirkt (1). Diese verhängnisvolle Spirale endet in einer erheblichen körperlichen Schwächung mit negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität und Morbidität des Erkrankten (1).


Stellenwert pulmonaler Rehabilitation

Die publizierten COPD-Leitlinien geben nicht nur Empfehlungen zur medikamentösen Behandlung (1, 2). Sie beinhalten zudem als essenzielle Komponente des komplexen Therapiekonzeptes Rehabilitationsmaßnahmen unter Einschluss von körperlichem Training.

McCarthy und Kollegen publizierten 2015 einen Cochrane Review (4) über pulmonale Rehabilitation unter Einschluss von körperlichem Training bei COPD. In die Analyse wurden 65 randomisierte und kontrollierte Studien mit insgesamt 3.822 COPD-Patienten eingeschlossen. Dabei wurde pulmonale Rehabilitation der Standardversorgung gegenübergestellt und hinsichtlich der Effekte auf Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verglichen. Die meisten eingeschlossenen Studien beinhalteten Rehabilitationsprogramme, in denen körperliches Training zentraler Bestandteil war und die über eine Dauer von acht bis zwölf Wochen durchgeführt wurden. Die fokussierten Outcomes zeigten statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserungen der körperlichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität für die pulmonale Rehabilitation. Die Autoren sehen die Effekte pulmonaler Rehabilitation unter Einschluss von körperlichem Training als zentralen Bestandteil für Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei Patienten mit COPD in klinisch bedeutsamen Maße bestätigt. Daher kommen sie zu dem Schluss, dass keine weiteren Studien notwendig sind, um den Vorteil pulmonaler Rehabilitation unter Einschluss von Training gegenüber Standardversorgung bei COPD zu belegen (4).


Assessments: Leistungsfähigkeit und Lebensqualität

Trainingsgestaltung und -durchführung bei COPD sind durchaus anspruchsvoll. Belastungsabhängige Atemnot, aber auch andere Symptome wie die Ermüdung der Beine und der Abfall der Sauerstoffsättigung sind häufige Gründe für einen Belastungsabbruch. Um bestmögliche Effekte durch ein Training bei COPD zu erzielen, sind neben Erfahrung und Qualifikation im Trainingsbereich ausreichendes Fachwissen und eine umfassende Anamnese erforderlich. Tests zur Objektivierung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität helfen, die Belastbarkeit und das Empfinden des Patienten zu quantifizieren, können bei der späteren Trainingseinstellung als Grundlage zur Intensitätsbestimmung herangezogen werden und dienen nicht zuletzt als Verlaufskontrolle und zur Erfassung von Therapieeffekten.

Sechs-Minuten-Gehtest

Abb. 1 Sechs-Minuten-Gehtest

Der Sechs-Minuten-Gehtest (6MGT) (Abb. 1) ist der am häufigsten eingesetzte Belastungstest zur Bestimmung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei Patienten mit COPD (1). Der 6MGT misst die Gehstrecke, die ein Patient bei bestmöglicher Einteilung seiner körperlichen Leistungsfähigkeit auf einem 30 Meter langen, ebenerdigen Korridor in sechs Minuten zurücklegt. Er erfasst die Belastbarkeit und gibt Auskunft über die körperliche Verfassung insgesamt. Der Einsatz des 6MGT erfolgt zur Beschreibung des Krankheitsverlaufs, zur Bestimmung von Therapieeffekten sowie zur Risikoabschätzung vor operativen Eingriffen. Bei der Durchführung ist ein Monitoring von Puls und Sauerstoffsättigung mittels Pulsoximeter empfehlenswert, um Risikopatienten mit starkem Sauerstoffabfall (< 90 Prozent) zu identifizieren und eine Gefährdung auszuschließen. Bei entsprechendem Befund ist abzuklären, ob eine Sauerstoffversorgung durch den behandelnden Arzt notwendig ist.

Troosters und Kollegen (5) publizierten eine geschlechterspezifische Formel zur Berechnung des Sollwertes der Gehstrecke bei COPD. Anhand des Ergebnisses kann der Therapeut die Einschränkung der Leistungsfähigkeit bezogen auf die Gehstrecke ermitteln.

Formel: 6-Min.-Gehstrecke
Formel: 6-Min.-Gehstrecke [m] = 218 + (5,14 x Größe [cm]) − (5,32 x Alter [Jahre]) − (1,8 x Gewicht [kg]) + (51,31 x Geschlecht) [Frauen = 0, Männer = 1]

 

Dies wird neben dem klinischen Mehrwert auch der Frage von Kostenträgern nach Transparenz in der Therapie gerecht.

Fahrradergometrie und Kraftmessungen

Als weitere Tests zur Ermittlung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei Patienten mit COPD eignen sich die Fahrradergometrie (Abb. 2) und Kraftmessungen. Zur Durchführung der Fahrradergometrie kann eine Zehn- oder 20-Watt-Rampe bei kontinuierlicher Pedalumdrehung verwendet werden. Während der Durchführung sind neben dem aktuellen Tretwiderstand (Watt) auch Puls und Sauerstoffsättigung sowie die anhand der Borg-Skala ermittelte Einschränkung der Atmung und Ermüdung der Beine einmal in der Minute zu protokollieren. Die Ergebnisse helfen entscheidend bei der späteren Trainingseinstellung.

Zur Ermittlung der Maximalkraft, speziell der Unterarm- und Handmuskulatur, wird häufig die Handdynamometrie eingesetzt. Dabei drückt der Patient einen unbeweglichen Griff aus standardisierter Ausgangsposition zunehmend stärker bis maximal zusammen, ohne seine Körperposition zu verändern, und hält die Spannung für einige Sekunden. Der Mittelwert aus drei Messungen bildet das Ergebnis.

Abb. 2 Fahrradergometrie

Borg-Skala

Zur Objektivierung der Atemnot in Ruhe und unter körperlicher Belastung eignet sich die validierte deutsche Version der Borg-Skala. Bewertet wird der Grad der Atemnot und Ermüdung der Beinmuskulatur auf einer Skala von null bis zehn (null = keine Atemnot / Ermüdung; zehn = maximale Atemnot / Ermüdung). Die Borg-Skala wird in Ruhe wie auch unter Belastung eingesetzt und ist ein hervorragendes Mittel zur Quantifizierung einer Atemeinschränkung sowie Beinermüdung bei Leistungstests oder Trainingsüberwachung (6).

Pulsoximetrie

Im Rahmen der Durchführung von Leistungstests oder zur Überwachung eines Trainings eignet sich die Pulsoximetrie. Dabei wird der prozentuale Sauerstoffgehalt (arterielle Sauerstoffsättigung) unblutig, beispielsweise mittels Fingerclip, gemessen. Angezeigt werden der prozentuale Anteil der roten Blutkörperchen, der mit Sauerstoff gesättigt ist, sowie die Herzfrequenz (6).

Lebensqualität

Die Ermittlung der Lebensqualität erfolgt anhand von gesundheitsbezogenen und krankheitsspezifischen Fragebogen wie Short-Form 36 (SF-36) und Chronic Respiratory Questionnaire (CRQ) (6) sowie mithilfe des COPD-Assessment-Tests (CAT) (1).

Der Einfluss der Trainingsintervention auf die krankheitsspezifische Lebensqualität kann beispielsweise durch den CRQ-Fragebogen objektiviert werden (1). Der Fragebogen gibt durch die Ergebnisdarstellung in den vier Kategorien Atemnot, Erschöpfung, Stimmungslage und Krankheitsbewältigung außerdem wertvolle Informationen mit klinischer Relevanz.


Körperliches Training

Körperliches Training hat die Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität von Patienten mit COPD zum Ziel. Dazu wird die Verbesserung von Ausdauer (Abb. 2), Kraft (Abb. 3), Beweglichkeit und Koordination (Abb. 4a–c) angestrebt. Körperliches Training kann zu einer Verminderung von Atemnot und Exazerbationen führen und so zur Stabilisierung der Erkrankung und Vermeidung von Rehospitalisation beitragen. Außerdem kann Training das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und ein besseres Selbstbewusstsein fördern (1, 6).

Voraussetzungen für ein sicheres Training sind die Beherrschung der Lippenbremse in Ruhe sowie unter Ausdauer- und Kraftbelastung, die korrekte Einschätzung von Atemeinschränkung und Beinermüdung anhand der Borg-Skala, die Anwendung atemerleichternder Körperpositionen, eine ausreichende Sauerstoffsättigung (> 90 Prozent) sowie Wissen über die eventuell notwendige Sauerstoffzufuhr und relevante Begleiterkrankungen (wie Rechtsherzbelastung oder Osteoporose).

Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination sind die entscheidenden Trainingskomponenten. Dabei kann Training auf unterschiedliche Art durchgeführt werden (1, 6). Die Inhalation eines atemwegsweitenden Medikamentes vor dem Training hat einen positiven Effekt auf die bei Belastung auftretende dynamische Überblähung und trägt so zur Verbesserung von Trainingseffekten bei (2).

Kardiopulmonales Ausdauertraining

Für ein kardiopulmonales Ausdauertraining eignen sich unter anderem Laufband, Crosser und Fahrradergometer (Abb. 2). Bei schwerer Einschränkung ist die Verwendung eines Niedrigwatt-Ergometers empfehlenswert, das bereits ab einem Tretwiderstand von fünf Watt beginnt und eine Steigerung in einzelnen Wattstufen zulässt. Empfohlen wird eine Belastung von 60 bis 80 Prozent der symptomlimitierten Maximalbelastung (2, 7, 8). Das Ausdauertraining kann kontinuierlich oder als Intervalltraining gestaltet werden. Unplanmäßige Pausen durch belastungsinduzierte Atemnot während kontinuierlicher Belastung sprechen für ein Intervalltraining. Dabei wechseln sich Belastungen von 100 Prozent der ergometrisch ermittelten Maximalbelastung und Tretpausen in 30-sekündigen Intervallen ab (9).

Hypertrophietraining

Hypertrophietraining beinhaltet standardisierte Übungen der Medizinischen Trainingstherapie (MTT) zum Muskelaufbau der oberen und unteren Extremität (Abb. 3) sowie des Rumpfes. Die Bewegungen werden langsam und technisch einwandfrei ausgeführt, wobei auf die Atemtechnik (insbesondere Lippenbremse) und die Vermeidung von Pressatmung geachtet wird.

Amerikanische und europäische Fachgesellschaften haben diskutiert, wie COPD-Patienten auf Basis ihrer Einschränkung optimal trainieren. Eine Trainingseinheit besteht demnach aus vier Durchläufen mit sechs bis zwölf Wiederholungen. Die Trainingsintensität wird mit 60 Prozent (50 bis 85 Prozent) der möglichen Maximalkraftleistung berechnet (6, 10).

Krafttraining ist aufgrund der intervallartigen Belastungsstruktur eine sinnvolle Trainingsmethode. Es kommt zu einer hohen Beanspruchung der Muskulatur und entsprechendem Trainingsreiz, gleichzeitig ist die kardiopulmonale Belastung gering. Beim Krafttraining tritt weniger Atemnot auf, weshalb es für COPD-Patienten besser verträglich ist als kardiopulmonales Ausdauertraining (6).

Idealerweise beinhaltet eine Trainingseinheit eine Kombination aus Hypertrophie- und Ausdauertraining. In der ambulanten Physiotherapie findet Training zwei- bis dreimal pro Woche für je 60 Minuten statt.

Trainingsmodalitäten

Der Stellenwert einzelner Trainingsinhalte (qualitativer Aspekt) wird zunehmend deutlicher (2, 6, 11). Die Trainingsfrequenz wird von einmal pro Woche bis täglich und mit einer Dauer von zehn bis 90 Minuten angegeben. Dabei werden Intensitäten von 50 Prozent bis zur maximal tolerierten Sauerstoffaufnahme beschrieben. Die optimale zeitliche Dauer von körperlichem Training konnte bisher nicht ausreichend ermittelt werden (1).

In einer umfassenden Meta-Analyse (11) gingen Puhan und Kollegen der Frage nach, wie Patienten mit COPD trainieren sollten. Analysiert wurde der Effekt unterschiedlicher Trainingsmodalitäten und -intensitäten. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Krafttraining zu einer stärkeren Verbesserung der Lebensqualität führen könnte als Ausdauertraining. Außerdem ergaben sich in der Analyse Hinweise darauf, dass Intervalltraining ähnliche Effekte hat wie kontinuierliches Training. Ferner fanden sich Hinweise darauf, dass ein Training mit hoher Intensität effektiver sein könnte als Programme mit niedriger Intensität (11).

Troosters und Kollegen halten fest, dass die Trainingseffekte bei mehr als 28 Trainingsinterventionen höher sind als bei kürzeren Trainingsinterventionen (12). Dies ist insbesondere für die Rahmenbedingungen im deutschen Gesundheitswesen von Interesse, in dem das stationäre Training über durchschnittlich drei Wochen in einer wohnortfernen Rehabilitationseinrichtung heute noch die Regelleistung darstellt. International sind Trainingsprogramme von vier bis zehn Wochen Dauer üblich, die zumeist ambulant vorgehalten werden (1, 4).

Ambulante Rekonditionierungsprogramme

Ambulante Rekonditionierungsprogramme wie ganztägige ambulante pneumologische Rehabilitation oder auch Lungensport (Rehabilitationssport) stehen in Deutschland nicht ausreichend und flächendeckend zur Verfügung. Die Möglichkeit von physiotherapeutisch supervisioniertem Training im Rahmen der Krankengymnastik am Gerät zur Versorgung von Patienten mit COPD scheint im deutschen Gesundheitswesen wenig geläufig. Entscheidend aber ist die Verstetigung erworbener Trainingseffekte nach Ende einer stationären Rehabilitation durch die Fortsetzung von ambulanten und wohnortnahen Leistungsangeboten wie der Teilnahme an einer Lungensportgruppe und / oder KG am Gerät sowie Heimtraining (13).


Atemtherapie

Im Rahmen der Atemtherapie werden Linderung der Atemnot, Verbesserung der Sekretmobilisation und -elimination, Verbesserung der Thoraxbeweglichkeit und Management des Hustens als Ziele verfolgt (1, 14). Die Vermittlung von Atemtechniken wie der dosierten Lippenbremse und atemerleichternden Körperpositionen ist elementar zur Vorbereitung auf ein körperliches Training.

Während für die COPD eine starke Evidenz für die Effekte körperlichen Trainings auf Leistungsfähigkeit und Lebensqualität vorliegt (1, 4), ist die Datenlage zum Stellenwert der physiotherapeutischen Atemtherapie weniger belastbar (1). Positive Effekte werden bezüglich Atemtechniken beschrieben, insbesondere bei der dosierten Lippenbremse (1, 15, 16).

Weniger gut belegt sind atemerleichternde Körperpositionen wie der „Kutschersitz“, also das Sitzen mit nach vorne geneigtem Oberkörper, oder auch der Effekt von Entspannungsübungen bei Patienten mit Angst und ausgeprägter Atemnot, die zur Reduktion der Atemfrequenz führen können (1).

Dr. Sebastian Teschler zeigt am Modell den Einsatz der Lippenbremse sowie atemerleichternde Ausgangsstellung:


Verordnungsfähigkeit

KG Gerät bei COPD

Die COPD geht mit einer Myopathie einher. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der Extremitäten, die mit M63.8- (sonstige Muskelerkrankungen bei andernorts klassifizierten Krankheiten) oder M62.5 (Inaktivitätsatrophie, andernorts nicht klassifiziert) nach ICD kodiert werden kann. Ebenfalls praktikabel ist die Kodierung R26.8. Der korrekte Indikationsschlüssel lautet EX2b beziehungsweise EX3b (17).

Langfristiger Heilmittelbedarf

Im deutschen Gesundheitssystem haben sich in den vergangenen zwei Jahren einige Türen geöffnet, die den Zugang zu physiotherapeutischen Leistungen für Patienten mit COPD vereinfacht haben.

Änderungen im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung sowie die neuen verbindlichen Regeln für ein strukturiertes Entlassmanagement bieten Physiotherapeuten einen zunehmend stabileren Rahmen für eine hochwertige und patientengerechte Versorgung. Kürzlich wurde die COPD auf der Diagnoseliste für den langfristigen Heilmittelbedarf verzeichnet. Haus- und Fachärzte haben nun die Möglichkeit, das Heilmittel „KG Atemtherapie“ im Rahmen des langfristigen Heilmittelbedarfs zu verordnen und so die Versorgung mit Heilmitteln über die Dauer von einem Jahr budgetneutral sicherzustellen. Dieses Versorgungsangebot ist bisher nur für Patienten mit einer sehr stark eingeschränkten Lungenfunktion (FEV1 < 35 Prozent des Sollwertes) ausgewiesen und bezieht sich ausschließlich auf das Heilmittel „KG Atemtherapie“. Das Heilmittel „KG am Gerät“ bleibt auf der Diagnoseliste für den langfristigen Heilmittelbedarf bei COPD außen vor, obwohl es die Grundlage für das so wichtige und zwingend verpflichtende Training bei dieser Erkrankung ist. Im individuellen Fall aber kann es erfolgversprechend sein, einen Antrag auf langfristigen Heilmittelbedarf für das Heilmittel „KG am Gerät“ entsprechend § 32 Absatz 1a SGB V bei der zuständigen Krankenversicherung zu stellen. Der Antrag kann durch den Patienten oder auch für den Patienten gestellt werden. Mit Bewilligung des Antrages durch die Krankenversicherung erhält der Patient die Möglichkeit, das Heilmittel „KG am Gerät“ für die Dauer eines Jahres durchgehend zu beziehen. Die Ausstellung von Heilmittelverordnungen im Rahmen des langfristigen Heilmittelbedarfs kann durch den Haus- oder Facharzt erfolgen und ist bei gelisteten Diagnosen direkt und bei Antragstellung ab Genehmigung durch die Krankenversicherung budgetfrei.

Entlassmanagement

Darüber hinaus kommen Physiotherapeuten die seit dem 1. Oktober 2017 geltenden verbindlichen Regeln für ein strukturelles Entlassmanagement für Krankenhäuser entgegen. Diese haben zum Ziel, einen reibungslosen Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung sicherzustellen. Damit haben Physiotherapeuten endlich die Möglichkeit, Heilmittelverordnungen direkt über Krankenhausärzte zu beziehen und Patienten mit COPD nach stationärem Aufenthalt mittels KG Atemtherapie, KG am Gerät oder anderer notwendiger Heilmittel nahtlos weiterzubehandeln. Ein Wermutstropfen ist aktuell die Einschränkung der Verordnungsmenge, die das Ausstellen einer Folgeverordnung durch einen niedergelassenen Arzt nach kurzer Zeit unumgänglich macht.

Dr. Sebastian Teschler im Gespräch zur Verordnungsfähigkeit:


Zusammenfassung

Patienten mit COPD leiden unter Atemnot bei Belastung. Damit sie nicht in einen Teufelskreis aus Inaktivität und fortschreitender Dekonditionierung verfallen, müssen sie trainieren.

Fasst man die aktuell publizierten Studien zu pulmonaler Rehabilitation zusammen, besteht kein Zweifel an der Steigerung von körperlicher Leistungsfähigkeit, standardisierter Gehstrecke sowie genereller und organspezifischer Lebensqualität von COPD-Patienten. Dem körperlichen Training kommt bei allen Rehabilitationsprogrammen für diese Erkrankung die größte Bedeutung zu; es hat sich deshalb als wichtige evidenzbasierte Maßnahme im Management der COPD etabliert.

KG Atemtherapie, KG am Gerät und Lungensport bieten Physiotherapeuten eine solide Grundlage für die Rekonditionierung und Versorgung von Patienten mit COPD in Wohnortnähe.

Mit den Regelungen des langfristigen Heilmittelbedarfs im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung und den Verordnungsmöglichkeiten nach Maßgabe der Heilmittelrichtlinie im Rahmen des Entlassmanagements für Krankenhäuser wurden zwei Türen geöffnet, die der Physiotherapie einen zunehmend stabileren Rahmen zur hochwertigen Versorgung von Patienten mit COPD bieten.


Literatur

  1. Vogelmeier C, Buhl R, Burghuber O, Criée CP, Ewig S, et al. 2018. Guideline for the diagnosis and treatment of COPD patients – issued by the German Respiratory Society and the German Atemwegsliga in cooperation with the Austrian Society of Pneumology. Pneumologie 72:253–308
  2. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease. 2018. Global Strategy for Diagnosis, Management, and Prevention of COPD. goldcopd.org; Zugriff am 17.5.2018
  3. Buist AS, McBurnie MA, Vollmer WM, Gillespie S, Burney P, et al. 2007. International variation in the prevalence of COPD (the BOLD Study): a population-based prevalence study. Lancet 370:741–50
  4. McCarthy B, Casey D, Devane D, Murphy K, Murphy E, et al. 2015. Pulmonary rehabilitation for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst. Rev. 23:CD003793
  5. Troosters T, Gosselink R, Decramer M. 1999. Six minute walking distance in healthy elderly subjects. Eur. Respir. J. 14:270–4
  6. Van Gestel A, Teschler H, Teschler S, Steier J, Rausch-Osthoff AK, et al. 2014. Physiotherapie bei chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Berlin, Heidelberg: Springer
  7. Puhan MA, Büsching G, Schünemann HJ, VanOort E, Zaugg C, et al. 2006. Interval versus continuous high-intensity exercise in chronic obstructive pulmonary disease: a randomized trial. Ann. Intern. Med. 145:816–25
  8. Vogiatzis I, Nanas S, Roussos C. 2002. Interval training as an alternative modality to continuous exercise in patients with COPD. Eur. Respir. J. 20:12–9
  9. Gloeckl R, Halle M, Kenn K. 2012. Interval versus continuous training in lung transplant candidates: a randomized trial. J. Heart Lung Transplant. 31:934–41
  10. Nici L, Donner C, Wouters E, Zuwallack R, Ambrosino N, et al. 2006. American Thoracic Society / European Respiratory Society statement on pulmonary rehabilitation. Am. J. Respir. Crit. Care Med. 173:1390–413
  11. Puhan MA, Schünemann HJ, Frey M, Scharplatz M, Bachmann LM. 2005. How should COPD patients exercise during respiratory rehabilitation? Comparison of exercise modalities and intensities to treat skeletal muscle dysfunction. Thorax 60, 5:367–75
  12. Troosters T, Casaburi R, Gosselink R, Decramer M. 2005. Pulmonary rehabilitation in chronic obstructive pulmonary disease. Am. J. Respir. Crit. Care Med. 172,1:19–38
  13. Spielmanns M, Göhl O, Schultz K, Worth K. 2015. Lung exercise: outpatient exercise program has long-term benefits on COPD. Dtsch. Med. Wochenschr. 140:1001–5
  14. Weise S, Kardos P, Pfeiffer-Kascha D. 2008. Empfehlungen zur physiotherapeutischen Atemtherapie. Oberhaching: Dustri Verlag
  15. Bhatt SP, Luqman-Arafath TK, Gupta AK, Mohan A, Stoltzfus JC, et al. 2013. Volitional pursed lips breathing in patients with stable chronic obstructive pulmonary disease improves exercise capacity. Chron. Respir. Dis. 10:5–10
  16. Borge CR, Hagen KB, Mengshoel AM, Omenaas E, Moum T, et al. 2014. Effects of controlled breathing exercises and respiratory muscle training in people with chronic obstructive pulmonary disease: results from evaluating the quality of evidence in systematic reviews. BMC Pulm. Med. 14:184
  17. Kaufmann J. 2012. Gerätegestützte Krankengymnastik (KGG): ein leitliniengerechtes Heilmittel für Patienten mit COPD. Atemweg. Lungenkrankh. 38, 8:328–32

Autor

Sebastian Teschler

Dr. rer. medic.; seit 2005 Physiotherapeut (Bac. NL); 2006–2007 Masterstudium Physiotherapie an der Philipps-Universität Marburg; 2009 Promotion an der Universität Duisburg-Essen; 2010 Auszeichnung mit dem Science-Preis, verliehen durch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP); Lehrtätigkeit im Fachbereich Innere Medizin; leitender Physiotherapeut, Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Reha Vital GmbH (www.zwanzigneunfünf.de).

s.teschler@rv-essen.de