_Evidenzbasierte Therapie

Rheumatoide Arthritis: Ist individuelle Therapie oder Gruppentherapie effektiver?

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Brasilianische Forscher verglichen ein individuelles Physiotherapieprogramm mit einer Gruppenintervention und untersuchten die Parameter Schmerz, Balance, Mobilität und die subjektiv beurteilte Therapiewirksamkeit. Probanden dieser Studie waren 30 Patienten mit chronischer rheumatoider Arthritis, die Fußdeformitäten aufwiesen (zum Beispiel Hallux valgus, Hammerzehen, Hohlfuß), seit mindestens fünf Jahren Beschwerden hatten und einen Funktionsstatus von eins bis drei laut American Rheumatism Association aufwiesen. Zu den Ausschlusskriterien gehörten unter anderem Operationen am Bein oder Rumpf, neurologische oder Atemwegserkrankungen und kognitive Einschränkungen. Die Studienteilnehmer wurden randomisiert entweder der Individualtherapie (Gruppe 1, Alter: 54,3 ± 9,28 Jahre, 73,3 Prozent Frauen) oder der Gruppentherapie zugeordnet (Gruppe 2, Alter: 62,5 ± 4,35 Jahre, 100 Prozent Frauen). Die Teilnehmer der Gruppen ähnelten sich zu Studienbeginn, nur waren die Probanden der Gruppe 2 älter und hatten ein geringeres Körpergewicht. Beide Gruppen erhielten vier Wochen lang zweimal wöchentlich für 60 Minuten dieselbe Therapie, bestehend aus Hinweisen zu Fußpflege und Schuhwerk, Fußmobilisationen, funktionellen Übungen zur Kräftigung der Fuß-, Bein- und Rumpfmuskulatur, Gleichgewichtsübungen und Aktivitäten des täglichen Lebens (zum Beispiel Treppensteigen, Haushaltstätigkeiten). Die Effekte wurden mit folgenden Assessments gemessen: Numerische Ratingskala (NRS) zur Erfassung der Schmerzintensität, Berg Balance Scale (BBS), Functional Reach Test (FR) und Timed-Up-and-Go-Test (TUG) zur Beurteilung der Mobilität sowie Foot Health Status Questionnaire (FHSQ), ein Fragebogen zur Beurteilung der wahrgenommenen Therapieeffekte (siehe Infokasten). Beide Gruppen verbesserten sich in der NRS und BBS. Gruppe 1 verbesserte sich ebenfalls im FR und TUG. Die Probanden der Gruppe 2 hatten bessere Werte im FHSQ; außerdem erreichten sie gute Ergebnisse in acht der insgesamt zehn abgefragten Bereiche, die Probanden der Gruppe 1 nur in vier. Die Autoren ziehen das Fazit, dass chronische Patienten mit rheumatoider Arthritis und Fußdeformitäten sowohl von einem individuellen als auch von einem Gruppenprogramm zur Verbesserung der Mobilität, Balance und zur Schmerzlinderung profitieren. Ein Gruppensetting führte in dieser Untersuchung zu einer besseren Einschätzung der Therapiewirksamkeit durch die Betroffenen.

Foot Health Status Questionnaire (FHSQ)
Ein in Australien entwickelter und validierter Fragebogen mit zehn Bereichen und einem Score von null (schlechtestes Ergebnis) bis 100 (volle Funktion). Der FHSQ wird vom Patienten ausgefüllt und wird postoperativ oder zur Erfassung von Einschränkungen infolge orthopädischer oder neurologischer Probleme eingesetzt. Themenfelder sind unter anderem Fußschmerz, Fußfunktion, Schuhwerk, allgemeine Gesundheit, soziale Interaktion und Vitalität. Der FHSQ besitzt eine gute Sensitivität und Reliabilität.
Quelle: www.researchgate.net/publication/23388083_Brazilian_Version_of_the_Foot_Health_Status_Questionnaire_FHSQ-Br_Cross-Cultural_Adaptation_and_Evaluation_of_Measurement_Properties

 

 

Quelle: Do Carmo CM, et al. 2017. Effects of individual and group exercise programs on pain, balance, mobility and perceived benefits in rheumatoid arthritis with pain and foot deformities. J. Phys. Ther. Sci. 29, 11:1893–8 Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29200618

 

Heft 02-2018


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pt_Redaktion

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