_Evidenzbasierte Therapie

Schulterbeschwerden: Gibt es einen Zusammenhang zwischen emotionaler Belastung, Schmerzintensität und Funktionseinschränkungen?

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Schulterschmerzen sind ein häufiges Problem, mit einer Punktprävalenz zwischen 6,9 und 26 Prozent. Oftmals halten die Beschwerden lange an: 41 Prozent der Patienten berichten auch nach einem Jahr noch von persistierenden Symptomen. Es ist bekannt, dass Übungen für diese Patienten kurzfristig hilfreich sind, langfristig ist deren Effektivität jedoch fraglich. Daher ist die Untersuchung prognostischer Faktoren wichtig – dazu gehören unter anderem Schmerzintensität, Dauer der Beschwerden, Geschlecht, Alter und der allgemeine Gesundheitsstatus.

Die Bedeutung psychosozialer prognostischer Faktoren scheint hingegen noch unzureichend erforscht. Wissenschaftler aus Norwegen untersuchten daher in einer prospektiven Kohortenstudie, inwiefern die emotionale Belastung für die Schmerzintensität und das Ausmaß der Funktionseinschränkungen eine Rolle spielt.

Sie analysierten die Daten von 145 Erwachsenen, die wegen Beschwerden in der oberen Extremität in physiotherapeutischer Behandlung gewesen waren. Die Forscher nutzten dabei bereits erhobene Daten; dazu gehörten soziodemografische Informationen sowie klinische Befunde. Primäre Zielgröße war die Schmerzintensität, gemessen mit einer Numerischen Ratingskala (NRS). Sekundäre Zielgröße waren die mittels Patient-Specific Functional Scale abgefragten Einschränkungen. Zudem griffen die Autoren auf die Dokumentation der emotionalen Belastung mit der Hopkins Symptom Checklist-25 zurück.

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Die Behandlung wurde von Physiotherapiestudenten unter Supervision ihrer Lehrer durchgeführt und dauerte bis zu neun Wochen. Grundsätzlich beinhaltete die Therapie individualisierte, befundabhängige Übungen. Einige Patienten bekamen auch Informationen sowie Beratung und wurden mit manuellen Techniken wie Massage oder Dehnungen behandelt.

Die Regressionsanalyse zeigte, dass eine größere emotionale Belastung vor Beginn der Behandlung im Zusammenhang mit mehr Schmerzen nach der Therapie stand. Die emotionale Belastung war dabei nicht assoziiert mit den von den Patienten berichteten Einschränkungen.

Die emotionale Belastung kann entweder ein Grund oder eine Folge von Schulterschmerzen sein – dies kann die vorliegende Studie nicht differenzieren. Ob eine Therapie zur Stressreduktion sinnvoll wäre, muss daher in weiteren Studien untersucht werden. Die Autoren sprechen sich aber dafür aus, die Evaluation der emotionalen Belastung mit in die physiotherapeutische Untersuchung bei Schulterbeschwerden aufzunehmen.

Quelle: Smedbråten K, et al. 2018. Emotional distress was associated with persistent shoulder pain after physiotherapy: a prospective cohort study. BMC Musculoskelet. Disord. 19, 1:304 Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30134868

 

Heft: 11-2018


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pt_Redaktion

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