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Sind Kopfbälle schädlich oder nicht?

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[js] Das Thema Kopfbälle im Fußball und deren gesundheitliche Folgen beschäftigt Fachkreise und Medien bereits seit geraumer Zeit. Spätestens seit der US-Fußballverband 2015 ein Kopfballverbot in der Altersklasse U13 ausgesprochen hat, steht das Kopfballspiel auch hierzulande heftig in der Kritik. Laut Dr. med. Johannes Weber von der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Regensburg mangelte es bislang an detaillierten und fundierten Daten zum Kopfballspiel. 

Im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie wurden nun 100 randomisierte Spiele aller 20 Mannschaften der Regionalliga Bayern in der Saison 2015 / 16 ausgewertet – standardisiert per Videoanalyse sowie mit speziell entwickelten und zuvor validierten Fragebogen. Insgesamt wurden in über 9.000 Minuten Spielzeit 11.514 Kopfbälle registriert und ausgewertet. Dabei konnte keine signifikante Mehrbelastung einer Spielfeldposition bezüglich Kopfbällen und Verletzungen festgestellt werden. Zu 76,8 Prozent wurden die Kopfbälle mit der Stirn ausgeführt; 65,8 Prozent fanden in einer Defensivsituation statt. Interessant: 71 Prozent der Kopfbälle erfolgten in Duellsituationen. Insgesamt wurden 31 Critical Incidents verzeichnet, in fünf Prozent dieser Situationen musste der Spieler vom Platz getragen werden. 

Die durchschnittliche Kopfballbelastung pro Spieler und Spiel liegt bei 5,7 Kopfbällen. Jeder 400. Kopfball ist mit einer potenziellen Kopfverletzung verbunden, jeder 2.000 mit einer tatsächlichen Kopfverletzung.

„Das ist deutlich geringer als bislang angenommen“, so Dr. Weber. Die insgesamt wenigen Kopfverletzungen stehen im engen Zusammenhang mit Duellsituationen; hier sollte die Prävention vorrangig greifen. 

 

Quelle: Posterpräsentation der Studie „Gehirnschäden durch nur 5 Kopfbälle pro Spieler & Spiel? Eine detaillierte Analyse von 11.514 Kopfbällen“ auf dem Deutschen Olympischen Sportärztekongress vom 24. bis 26.5.2018 in Hamburg

Heft 08-2018


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