_Evidenzbasierte Therapie

​Sollten Patienten mit Hüftfrakturen zusätzlich ein Krafttraining für die Knieextensoren durchführen? ​

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Foto: Sebastian Kaulitzki / Shutterstock.com

Forscher aus Dänemark schlossen 90 Patienten im Akutkrankenhaus mit operativ versorgter Hüftfraktur in ihre Studie ein. Alle Patienten erhielten nach der operativen Versorgung täglich ein- bis zweimal die übliche Physiotherapie, bestehend aus zwölf spezifischen und standardisierten Übungen zur Verbesserung der Mobilität mit individuell gesteuerter Progression. Die Wiederholungsanzahl und die Belastungsintensität waren nicht fest definiert. Ebenso führten die Patienten Gleichgewichtsübungen durch und trainierten das Treppensteigen. Die Gehhilfen wurden für jeden Patienten individuell angepasst. Die Therapie fand sowohl direkt im Zimmer der Patienten als auch im Gymnastikraum der Station statt. Die Interventionsgruppe führte zusätzlich zu dieser Standardversorgung noch ein progressives Krafttraining mit individuell angepassten Gewichtsmanschetten am Sprunggelenk für die Knieextensoren durch. Die Belastungsintensität war auf das Zehn-Wiederholungs-Maximum (10RM) festgelegt und die Patienten führten dreimal zehn Wiederholungen aus, nachdem sie fünf Knieextensionen ohne Belastung zum Aufwärmen gemacht hatten. Primäre Zielgröße war die maximale isometrische Kraft der Knieextensoren auf der betroffenen Seite am zehnten Tag postoperativ beziehungsweise am Tag der Entlassung – und zwar prozentual gesehen im Vergleich zur gesunden Seite. Weitere Zielparameter waren die Ergebnisse im Timed-Up-and-Go-Test (sobald postoperativ durchführbar), die Ganggeschwindigkeit sowie die Sturzangst, gemessen mit der Kurzversion der Falls Efficacy Scale. Die Mobilität wurde täglich mittels Cumulated Ambulation Score erhoben. In der primären Analyse fanden die Forscher keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Im Rahmen einer Per-Protokoll-Analyse, die auf der Auswertung der Teilnehmer mit komplettem Datensatz beruhte, zeigte sich in der Gruppe mit zusätzlichem Krafttraining ein signifikanter und klinisch relevanter Effekt von zehn Prozent Kraftverbesserung. Das zusätzliche Krafttraining führte allerdings nicht zu einer Verbesserung der Funktionsfähigkeit oder körperlichen Aktivität.

Quelle: Kronborg L, et al. 2017. Effectiveness of acute in-hospital physiotherapy with knee-extension strength training in reducing strength deficits in patients with a hip fracture: a randomised controlled trial. PLoS One 12, 6:e0179867 Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28662153

Heft 9-2017


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