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... und wieder locker lassen!

​Die gesellschaftliche Relevanz des Mopses

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Foto: Afishka / Shutterstock.com

Ob man nun kurz vor der Tagesschau den Fernseher anmacht, sich auf Facebook tummelt, Urlaubsbroschüren durchblättert oder einschlägige Fitnessmagazine – irgendwo sitzt immer ein Mops, steht ein Mops, läuft ein Mops und schaut dabei treudoof in die Kamera.

Daneben lächeln, liegen, räkeln sich definierte, fettfreie Körper, Menschen und Menschinnen, die gerade vom Surfen kommen, eine unglaubliche Lust auf einen Smoothie verspüren, bevor sie einen kleinen Freizeitmarathon laufen. Bei Kilometer 30 nehmen sie kurz einen Latte Macchiato mit Ingwer und Chili zu sich, denken darüber nach, ob sie schwitzen müssen, müssen sie aber nicht. Es geht leichtfüßig weiter und nach eineinhalb Stunden ist das Ziel erreicht. Fast hätte man es übersehen. So schnell? Man war doch gar nicht so richtig trainiert, vorher noch segeln und chillen auf den Seychellen und bei einem Yogakurs in Kalifornien. Der Mops schaut sich das Ganze an, hechelt, sabbert und macht dabei eine schlechte Figur – das ist seine Funktion.

Während wir mit unserem inneren Schweinehund hadern oder kämpfen müssen, kommen wir im Vergleich mit dem Mops immer gut weg. Ach, das bisschen Bauch, der kleine Makel, die kurze Lustlosigkeit ist doch gar nicht mehr schlimm, wenn ein Mops in der Nähe ist.

In der pt-Redaktion haben wir unter jedem Schreibtisch mittlerweile zwei Stück sitzen. Schwierigkeiten, eine Glosse zu schreiben? Kein Problem – ein kurzer Blick zu meinem Mops, mein Herz erwärmt sich und sofort fließt ein mitfühlender Text direkt aus meinen Fingern. Nach Feierabend keine Lust, zum Fitness zu gehen? Noch ein kurzer Blick zu meinem Mops, schon verspüre ich die reinste Motivation des „Es darf auf keinen Fall noch schlimmer werden, wehret den Anfängen, werde bloß kein Mops!”.

Ein Mops wäre auch ganz vortrefflich als Therapiehund geeignet. Seine Anwesenheit alleine würde schon dazu führen, dass Patienten ihre Wiederholungszahlen steigern, weniger über Symptome berichten und motiviert ins Eigenprogramm starten.

Aber auch in der Politik wäre er als Allzweckwaffe einsetzbar. Man müsste nur jedem aus dem Schwarzen Block einen Mops schenken, schon würden viele vergessen, sich zu vermummen: Einem Mops möchte man von Angesicht zu Angesicht begegnen. Und sogar der ein oder andere Präsident aus fernen Landen würde in der Gegenwart eines blonden Mopses einen intelligenten Eindruck machen.

Wir müssen uns bei den Möpsen dieser Welt bedanken: Ihr Dienst am Wohlergehen der Menschheit ist groß, ihr Wert für den Weltfrieden unermesslich, ihr Anteil an der seelischen Gesundung des gesamten Planeten nobelpreiswürdig!

Heft 9-2017

Autor

Jörg Stanko

Physiotherapeut seit 1992; bis 2013 in verschiedenen Praxen und Krankenhäusern tätig; Schriftsteller; schreibt Romane, Kinder­bücher und Ruhrgebietskrimis; Referent für Kreatives Schreiben; Vater eines Sohnes; freier pt-Autor und pt-Redakteur

stanko@pflaum.de

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