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… und wieder locker lassen!

Mein Name ist Sommer, Dr. Sommer!

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Grafik: Dim Tik / shutterstock.com

Als Autor dieser Glosse darf man fast alles. Ich bin bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Mein Aufgabenbereich liegt irgendwo zwischen dem von Klaus Eder, Dr. Sommer, Angela Merkel und dem Papst. Die Kolleginnen und Kollegen schreiben mir Mails mit dringenden und sehr dringenden Anliegen, sprechen mich auf Veranstaltungen an oder auf der Straße: „Du bist doch der Locker-lassen-Typ!“

Der nächste Satz beginnt meist mit den Worten: „Du, schreib doch mal was über …“ Mache ich gerne! Heute werde ich diese Glosse also nutzen, um anderen zu helfen. Ich werde ihr Sprachrohr in der Öffentlichkeit sein.

Physiotherapeut P. aus D. schrieb mir, dass er sich während der Fascial-Release-Fobi in Düsseldorf ganz unsterblich in Kollegin B. aus E. verguckt habe, die „mit dem süßesten Lächeln der Welt“. Er habe aber leider ihre Handynummer verloren. Liebe B., bitte melde dich bei P.!

Es gehen immer wieder Berichte von engagierten Kolleginnen ein, dass es wohl einige Fortbildungsleiter mit der eigenen Fortbildung nicht so genau nehmen. Gerüchte über Skripte, die seit 25 Jahren nicht überarbeitet wurden, halten sich hartnäckig. Ich wurde gefragt, ob ich da nicht mal ein Machtwort sprechen könnte. Habe ich hiermit getan: Liebe Referenten-Schluffis, lest unsere Evidenz-Updates!

Physiotherapeutin L. aus M. fragte mich vor einiger Zeit, ob sie einen Orthopäden ehelichen solle. Er sei „sehr nett“, aber auch vom alten Schlag, er verstehe ihre fachlichen Ansätze nicht wirklich. Liebe L., folge deinem Herzen! Und denk auch an deine Rentenansprüche, die durch diese Ehe entstehen – die Ansprüche bleiben, auch wenn sich die Liebe irgendwann verflüchtigt.

Die Kollegen K. und M. aus F. haben mich gebeten, doch mal Tacheles über Bundesgesundheitsminister S. aus B. zu schreiben. Da bin ich hin und her gerissen; ich würde gerne die nächsten sechs Monate noch abwarten und die Entwicklung beobachten. S. aus B. schreibt, dass man gegenüber den Krankenkassen doch einfach mal vernünftige Forderungen stellen solle: 1,50 Euro Minutensatz, das sei doch ganz einfach. G. aus W. meint dazu, zwei Euro Minutensatz wären auch okay. Liebe Krankenkassen, ein Mann, der seit einiger Zeit wieder von sich reden macht, hat vor Jahren mal ein Steuerkonzept gefordert, das auf einen Bierdeckel passt. So kompliziert brauchen wir Physiotherapeuten es ja gar nicht – unser Anliegen ist ganz einfach: ein Minutensatz, von dem wir alle leben können. Dann müssen wir nicht mehr protestieren, demonstrieren und mit unseren Gehältern jonglieren, sondern können uns wieder um unsere Patienten kümmern. Das wäre doch toll! Wie früher. Stellt euch vor: Wir wären wieder zufrieden mit unseren Arbeitsbedingungen. Wie geil wäre das denn!

„Imagine all the physios, living life in peace …“

Buchtipp
Die Glossen von Jörg Stanko gibt es jetzt auch als Buch:

Stanko J. 2017. Und wieder locker lassen! München: Richard Pflaum Verlag

Lesungsanfragen an: info@literaturagentur.ruhr

 

Heft 02-2019


Autor

Jörg Stanko

Physiotherapeut seit 1992; bis 2013 in verschiedenen Praxen und Krankenhäusern tätig; Schriftsteller; schreibt Romane, Kinder­bücher und Ruhrgebietskrimis; Referent für kreatives Schreiben; Vater eines Sohnes; freier pt-Autor und pt-Redakteur

stanko@pflaum.de

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