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Update WCPT 2017: Aktivitätsförderung bei Kindern mit chronischen Erkrankungen

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pt worldwide. Wir sind vor Ort in Kapstadt und berichten über ausgewählte Symposien vom Weltkongress der Physiotherapeuten 2017. Moderiert von Dr. Janke de Groot vom Netherlands Institute for Health Services Research (NIVEL) in Utrecht diskutierten Experten über die Frage, wie Therapeuten Kindern mit chronischen Erkrankungen dabei helfen können, aktiv zu werden und zu bleiben.

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Dr. Janke de Groot Foto: Tanja Boßmann

Dr. Janke de Groot
Foto: Tanja Boßmann

Es gibt viele Definitionen beziehungsweise Konzepte zum Begriff „Gesundheit“. Eine wurde 2011 publiziert (1) und lautet:

„Health as the ability to adapt and to self manage, in the face of social, physical and emotional challenges“.

Dieses Konzept stellt insbesondere die Verantwortung der Patienten für ihre eigene Gesundheit und das Leben mit einer chronischen Erkrankung in den Fokus. Dass körperliche Aktivität bei chronischen Erkrankungen generell wichtig ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Und bei chronisch kranken Kindern ist das ebenso wichtig – und zwar nicht nur zur Prävention weiterer Probleme, sondern auch für die Förderung einer optimalen Entwicklung in Bezug auf das körperliche, emotionale und soziale Wohlbefinden (2).

Aber wie bekommt man chronisch kranke Kinder dazu, sich auch langfristig körperlich zu betätigen? In einer systematischen Übersichtsarbeit (3) wurden einige Faktoren identifiziert, dazu gehören unter anderem eine gute Selbstwirksamkeit, körperliche Fitness, zunehmendes Alter und die Verfügbarkeit von Ausrüstung und lokalen Einrichtungen und Angeboten. Ein großes Handlungsfeld für Physiotherapeuten, das vor allem in Deutschland erschlossen werden will.

Dr. Manon Bloemen Foto: Tanja Boßmann

Dr. Manon Bloemen
Foto: Tanja Boßmann

Regemäßig körperlich aktiv zu sein ist ein komplexes Verhaltensmuster – und das ist insbesondere für kranke Kinder schwierig. Es ist daher sehr wichtig, dass Angebote für diese Kinder mit verhaltenstherapeutischen Elementen geplant werden und auch Selbstmanagement-Strategien vermitteln. Die Eltern sollten in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand des Kindes ebenso einbezogen werden. Ebenfalls zu berücksichtigen sind Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren, die zur Einschränkung körperlicher Aktivität beitragen. Physiotherapeuten sind in diesem Fall der Coach des Kindes und seiner Eltern.

Prof. Dr. Désirée Maltais Foto: Tanja Boßmann

Prof. Dr. Désirée Maltais
Foto: Tanja Boßmann

Für ein lösungsorientiertes Coaching mit Kindern sind folgende Prinzipien wichtig:

  • Ziele mit Bedeutung für das Kind
  • Gesteuert durch den Klienten
  • Fokussiert auf die Stärken
  • Praxisorientierte Lösungen
  • Theoriebasiert
  • Individuell zugeschnitten

 

Eine ausführliche Übersichtsarbeit zu diesem Thema wurde 2015 im Journal Disability and Rehabilitation veröffentlicht (4). Eine aktuelle Publikation prüfte bereits die Anwendbarkeit des lösungsorientierten Coachings an fünf Jungen zwischen elf und 19 Jahren (5). Die Ergebnisse sind vielversprechend, sodass die Planung und Durchführung einer groß angelegten Effektivitätsstudie gerechtfertigt ist.

Link zum WCPT Symposium: www.wcpt.org/wcpt2017/FS-11

Literatur

1) Huber M, et al. 2011. Towards a ‘patient-centred’ operationalisation of the new dynamic concept of health: a mixed methods study. BMJ Open 5:e010091

2) van Brussel M, et al. 2011. The Utrecht approach to exercise in chronic childhood conditions: the decade in review. Pediatr. Phys. Ther. 23,1:2–14

3) Bloemen MAT, et al. 2014. Factors associated with physical activity in children and adolescents with a physical disability: a systematic review. Develop. Med. Child Neurol. 57:137–48

4) Schwellnus H, et al. 2015. Client-centred coaching in the paediatric health professions: a critical scoping review. Disabil. Rehabil. 37,15:1305–15

5) McPherson AC, et al. 2017. A feasibility study using solution-focused coaching for health promotion in children and young people with Duchenne muscular dystrophy. Dev. Neurorehabil. 8:1-10

pt online 4.7.2017

Autor

Tanja Boßmann

Physiotherapeutin; 2007 Abschluss des Masterstudiums an der Phi­lipps-Universität Marburg; Chefredakteurin, pt_Zeitschrift für Physiotherapeuten; seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin Fakultät für Sport- und Ge­sund­heitwissenschaften, FB kons. und rehab. Orthopädie, Technische Universität München.

tanja.bossmann@pflaum.de

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