_Magazin

Vergütung: Die Erhöhung von zehn Prozent kann nur ein erster Schritt sein

.

Die bundesweite Aktion des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) startete am 4. September 2017. Politik, Krankenkassen und die Öffentlichkeit sind die Adressaten der Kampagne. Den Auftakt machte der SHV mit dem Thema Vergütung. Informationen zu Ausbildungskostenfreiheit, Direktzugang und Akademisierung folgen. Die pt fragte nach.

.

Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) e.V.
Bilddatenbank: www.axentis.de
fotoagentur axentis. de Georg J. Lopata

Der SHV fordert eine dauerhafte finanzielle Aufwertung der Therapieberufe – aktuell werden ja Erhöhungen von rund 10 Prozent erreicht. Ein Erfolg, aber dennoch kommen Therapeuten auch damit noch nicht wirklich auf eine akzeptable Vergütung. Welche Schritte planen Sie konkret, damit auf die erreichten 10 Prozent noch mindestens 20 dazukommen?

Wir sehen es ganz genauso, dass eine einmalige Erhöhung um rund zehn Prozent nur ein erster Schritt sein kann, um die schwierige finanzielle Situation der Heilmittelerbringer und damit unserer Praxen zu bewältigen. Insofern müssen in den nächsten Jahren unbedingt weitere Schritte in mindestens ähnlicher Höhe folgen. Dies haben wir in unseren Verhandlungsgesprächen gegenüber allen Krankenkassen mehr als deutlich gemacht. Mit den Regionalkassen in Hessen zum Beispiel haben wir bereits einen Abschluss erzielt, durch den die Preise bis 2019 um rund 30 Prozent ansteigen.

Welche Reaktionen haben Sie bisher erhalten?

Wie man sich denken kann, sind die Reaktionen bei insgesamt fast 30 Verhandlungsgebieten und noch viel mehr beteiligten Kassenvertretern sehr unterschiedlich. Die meisten Krankenkassen sind sich aber der schwierigen Lage in der Physiotherapie, der Ergotherapie sowie der Podologie und des politischen Auftrags des HHVG bewusst. Eine große Ausnahme bilden leider wieder einmal die AOK und IKK in Sachsen-Anhalt, mit denen voraussichtlich ein Schiedsverfahren unvermeidlich sein wird.

Welche konkreten Termine mit wichtigen Entscheidungsträgern sind bereits geplant?

Die Verhandlungen mit den Krankenkassen finden fortlaufend statt. Dieses Jahr werden aber auch in einigen Vertragsgebieten noch die Verhandlungen für 2018 aufgenommen. Hinsichtlich unserer Gespräche in Berlin ist nun zunächst die Bundestagswahl abzuwarten. Die großen Parteien standen im Wahlkampf hinsichtlich ihrer Positionen den Heilmittelerbringern gegenüber Rede und Antwort, so dass die Gespräche nach der Wahl nahtlos fortgesetzt werden können.

Welche Hürden erwarten Sie und was tun Sie dagegen?

Die Krankenkassen waren und sind selbstverständlich nicht immer sofort ohne Widerspruch bereit, zweistelligen Vergütungserhöhungen zuzustimmen. Hierzu bedurfte und bedarf es auch in Zukunft weiterhin guter Argumente, Daten und Fakten, die uns aber zu genüge vorliegen. Hier zahlt sich insbesondere die gute Zusammenarbeit zwischen den Partnerverbänden des SHV aus.

Ab welcher Vergütungserhöhung wären Sie zufrieden und würden sagen, wir haben das Ziel erreicht?

Wir halten die bisherigen Abschlüsse dieses Jahres für überwiegend akzeptabel, sehen aber für die kommenden Jahre noch deutlichen Erhöhungsbedarf in jährlich jeweils mindestens ähnlicher Größenordnung. Erst wenn die finanzielle Situation in den Praxen deutlich entschärft ist, ist ein Signal der Zufriedenheit angemessen. Die Signale aus Berlin in dieser Legislatur wissen wir aber natürlich zu schätzen.

Das Gespräch führte Tanja Boßmann

pt online 21.9.2017

Autor

Tanja Boßmann

Physiotherapeutin; 2007 Abschluss des Masterstudiums an der Phi­lipps-Universität Marburg; Chefredakteurin, pt_Zeitschrift für Physiotherapeuten; seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin Fakultät für Sport- und Ge­sund­heitwissenschaften, FB kons. und rehab. Orthopädie, Technische Universität München.

tanja.bossmann@pflaum.de

Teilen & Feedback