_Evidenzbasierte Therapie

Was bewirkt eine interdisziplinäre Edukation bei Patienten mit Gonarthrose?

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Foto: Claudia Paulussen / shutterstock.com

Die Bedeutung von Patientenedukation und Übungsprogrammen für Patienten mit Gonarthrose ist unbestritten. Doch wie wirksam ist solch eine Edukation überhaupt zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit? Dies erforschten brasilianische Wissenschaftler in ihrer randomisierten kontrollierten Studie. Sie wollten den Effekt einer interdisziplinären Edukation überprüfen, die von orthopädischen Chirurgen, Sportlehrern, Ernährungsberatern, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeitern durchgeführt wurde. Sie teilten 300 Patienten mit röntgenologisch diagnostizierter Gonarthrose zufällig in eine Interventions- und Kontrollgruppe ein. Die überwiegend weiblichen Patienten waren zwischen 56 und 78 Jahre alt und hatten fast alle eine bilaterale Gonarthrose im Stadium I bis IV auf der Kellgren-Lawrence-Skala. Ausschlusskriterien waren unter anderem Rheumatoide Arthritis, neurologische Symptome, unbehandelte kardiovaskuläre oder metabolische Erkrankungen, Operationen sowie Verletzungen der unteren Extremität in den vorherigen sechs Monaten. Alle Patienten bekamen die konventionelle Versorgung bestehend aus Arztbesuchen, Untersuchungen, Schmerzmedikamenten, Gehhilfen, Schuheinlagen, Akupunktur und Physiotherapie, falls nötig. Die 112 Patienten der Interventionsgruppe erhielten zusätzliche Informationen zu Anatomie und Pathophysiologie sowie Empfehlungen zu körperlicher Aktivität und gesundheitsförderlichem Verhalten. Die einmalige Edukation fand an einem Samstag von acht bis 17 Uhr statt: sieben halbstündige Edukationssitzungen wurden mit einstündigen Workshops zur körperlichen Aktivierung kombiniert. Den Patienten wurden ein regelmäßiges moderates oder hochintensives aerobes Training in einer Sportart ihrer Wahl und Kräftigungsübungen empfohlen. Zur Bestimmung der funktionellen Kapazität wurden die Patienten zu Studienbeginn sowie nach sechs und zwölf Monaten mit folgenden Assessments untersucht:

  • Sit-and-Reach-Test
  • Sechs-Minuten-Gehtest (6MWT)
  • Timed-Up-and-Down-Stairs-Test (TUDS)
  • Timed-Up-and-Go-Test (TUG)
  • Five-Times-Sit-to-Stand-Test (FTSST)

 

Das Bewegungsverhalten im Alltag sowie die sitzend verbrachte Zeit erfasste der Fragebogen International Physical Activity Questionnaire (IPAQ, Kurzversion). Insgesamt nahm die körperliche Aktivität der Edukationsgruppe (n = 112) in den ersten sechs Monaten deutlich zu und blieb auf dem hohen Niveau bestehen. Auch der Body-Mass-Index war hier nach sechs und zwölf Monaten geringer als in der Kontrollgruppe (n = 127). Außerdem verbesserten sich die Probanden der Edukationsgruppe in folgenden Tests: TUDS, TUG, FTSST. Die Kontrollgruppe wies hingegen kaum Veränderungen der funktionellen Kapazität auf; nur der TUDS zeigte hier nach sechs Monaten Verbesserungen, die jedoch nicht langfristig anhielten. Bei zwei Tests unterschieden sich die Gruppen nicht: Sit-and-Reach-Test und 6MWT. Das Edukationsprogramm bewirkte tatsächlich eine Verbesserung der funktionellen Kapazität und körperlichen Aktivität im Alltag von Gonarthrose-Patienten.

Quelle: Rodrigues da Silva JM, et al. 2017. Educational program promoting regular physical exercise improves functional capacity and daily living physical activity in subjects with knee osteoarthritis. BMC Musculoskelet. Disord. 18, 1:546 Volltext frei
Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29282054

 

Heft 03-2018


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