_Evidenzbasierte Therapie

Welche Therapieform ist bei operierten Patienten mit malignen Kopf- und Nackentumoren effektiver: Heimübungsprogramm oder ambulante Therapie mit Heimübungen?

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Grafik: sfam_photo / shutterstock.com

Physiotherapie kann Patienten mit malignen Tumoren im Kopf- und Nackenbereich symptomlindernd unterstützen. Bisher wurde der Effekt eines Heimübungsprogrammes noch nicht ausreichend untersucht. Deswegen verglichen taiwanesische Forscher in ihrer randomisierten Studie, welche Intervention sinnvoller ist: eine ambulante Physiotherapie mit zusätzlichen Heimübungen oder die alleinige Therapie zu Hause (Gehen / Walken, kräftigende Schultergürtel-Übungen, zum Beispiel für den mittleren und unteren Anteil des M. trapezius, Dehnungen für den Schultergürtel). Die individuelle 60-minütige Übungstherapie zu Hause sollte fünfmal wöchentlich stattfinden (n = 18). Nach anfänglicher Instruktion der Patienten und Angehörigen erkundigten sich die Therapeuten jede Woche telefonisch nach dem Übungsfortschritt. Die ambulanten Patienten (n = 19) erhielten zweimal in der Woche für eine Stunde Therapie im Therapiezentrum (Laufband, progressive Kräftigungsübungen bei 30 bis 60 Prozent des Einwiederholungsmaximums und Schultergürtel-Dehnungen) und Hausübungen für die restlichen drei Tage (aerobes Training in Form von Gehen / Walken und statische Dehnungen, wie bei der Heimübungsgruppe, allerdings keine Kraftübungen zu Hause). Die Patienten waren zwischen 20 und 80 Jahre alt, die Tumordiagnose lag maximal sechs Monate zurück (TNM-Klassifizierung II–IV) und es war eine radikale chirurgische Operation mit Lymphknotendissektion durchgeführt worden. Die Forscher setzten folgende Messinstrumente vor der Physiotherapie sowie nach sechs und zwölf Wochen ein:

  • Functional Assessment of Cancer Therapy-Head and Neck (FACT H&N)
  • Visuelle Analogskala (VAS) für Schulterschmerz
  • Sechs-Minuten-Gehtest (6MWT)
  • Schulterbeweglichkeit (ROM)

 

Im direkten Vergleich war keine Therapie überlegen: Beide Interventionen führten zu signifikanten Verbesserungen in den Untersuchungen nach zwölf Wochen. Die Patienten hatten eine bessere Schulterabduktion und -flexion sowie Funktionsverbesserungen. Falls eine ambulante Therapie nicht durchgeführt werden kann, scheint ein angeleitetes häusliches Übungsprogramm auch effektiv zu sein. Da es aus ethischen Gründen keine Kontrollgruppe ohne Therapie gab, sind Verbesserungen durch die fortschreitende Wundheilung nicht ausgeschlossen.

Quelle: Su TL, et al. 2017. The effect of home-based program and outpatient physical therapy in patients with head and neck cancer: a randomized, controlled trial. Oral Oncol. 74:130–4

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29103741

 

Heft 1-2018


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