[tb] Rund 500 Teilnehmer waren am 9. September in Berlin. Dort fand der 2. Therapiegipfel statt. Die Reaktionen in der Presse und den sozialen Medien waren durchaus unterschiedlich.

Während sich der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) in seiner Pressemitteilung grundsätzlich zufrieden zeigt und die Veranstaltung als inhaltsstark und zukunftsweisend beurteilt, sind die Reaktionen an anderen Stellen teilweise emotional.

Insbesondere das Thema Akademisierung sorgte für Diskussionsstoff. Gesundheitsminister Spahn lehnt eine Akademisierung ab. „Wir haben bereits eine gute Ausbildung“, sagte Spahn. „Wenn Sie`s anders haben wollen, müssen Sie auf einen anderen Minister warten“ – so die Zusammenfassung in der Ärzte Zeitung online.

Diese Einschätzung wurde unter anderem vom Fachbereichstag Therapiewissenschaften (FBTT) kritisch beurteilt. Die Aussage lasse sich für die aktuellen Ausbildungswege in den Therapieberufen, trotz Aussage des Ministers, nicht belegen. Außerdem gebe es gute Belege dafür, dass eine hochschulische Qualifikation in den Gesundheitsfachberufen unter anderem zu einer hohen Attraktivität der Berufe führt, interprofessionelle Problemlösefähigkeiten in Bezug auf die Patientenbehandlung fördert und insbesondere von Patienten als hohe Versorgungsqualität wahrgenommen wird.

Auch Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik von Bündnis 90 / die Grünen spricht sich in ihrem Statement grundsätzlich für die Akademisierung aus. Der Beruf der sogenannten Heilmittelerbringer werde weit unter seinem Wert gehandelt. Zuletzt hätte es mehr Geld gegeben, es gebe aber immer noch nicht genug Anerkennung. Die Lösungen seien aus diversen Gutachten bekannt und würden im Ausland auch längst praktiziert.

Jens Uhlhorn von der Bewegung „Therapeuten am Limit“ zieht laut einem Bericht in der lokalen Presse insgesamt ein positives Fazit. Aus seiner Sicht sei es richtig, dass Spahn den Heilmittelkatalog von derzeit 36 Diagnosegruppen auf sechs reduzieren wolle: Rücken, Extremitäten, Schmerz, Kinder, Neurologie (Schlaganfall, Parkinson) und Lymphdrainage. Dies führe zu einer hohen zeitliche Entlastung der Verwaltungsarbeit, erklärte Uhlhorn der Presse.

Wichtige Zwischenergebnisse des 2. TherapieGipfels sind nach Angaben des SHV unter anderem der dauerhafte Wegfall der Bindung an die Grundlohnsumme bei Vergütungsverhandlungen, die bundesweite Anhebung der Preise und die Neuausrichtung der Vergütungsverhandlungen ab Herbst 2019. Die Blankoverordnung als neue Versorgungsform müsse nun bis zum 15. November 2020 mit Leben gefüllt und deren Nutzen für die Patienten in den Mittelpunkt gestellt werden. Offen, aber noch nicht entscheidungsbereit sei Minister Spahn bei der Überarbeitung der Berufsbildungsgesetze noch in der laufenden Legislaturperiode. „Bis Ende 2019 erarbeitet eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe konkrete Eckpunkte, die dann in einen Gesetzesentwurf einfließen werden“, so der Minister.

Dr. Roy Kühne schließt in seinem Facebook-Posting am 9. September mit diesem Fazit:

„Fakt ist, dass viele Punkte oberflächlich klar sind, aber die Details so manche Herausforderung darstellen – für Politik, Krankenkassen, Verbände und Therapeuten. Auch in der Abgrenzung oder Ergänzung zu anderen Berufen z.B. Ärzten!“

Wir verfolgen die weitere Entwicklung und halten euch auf dem Laufenden.