[tb] Eine digitale Reha mit einer App? Das soll für Menschen mit COPD möglich sein, sagen Experten. Eine Lungenrehabilitation hat positive Effekte auf den Krankheitsverlauf und die Sterblichkeit der Patienten. Daher wird eine solche Reha auch von verschiedenen internationalen Leitlinien empfohlen. Trotzdem erhalten nicht alle Patienten eine entsprechende Reha-Maßnahme. Gründe dafür können ganz unterschiedlichen sein, zum Beispiel, dass es keine Verordnung durch einen Arzt gibt, sich Krankenkassen querstellen oder Patienten nicht ausreichend motiviert sind, eine stationäre Reha zu absolvieren. Wissenschaftler und Unternehmen arbeiten daher an weiteren Angeboten für COPD-Patienten. Mit zunehmenden Möglichkeiten im Bereich der Telemedizin ergeben sich daher auch Anwendungen im Bereich der Reha.

Reha per App?

Experten aus der Klinik haben zusammen mit der Industrie eine App für Smartphones und Tablets entwickelt, die eine digitale Lungenrehabilitation bei COPD bieten soll. Sie werteten anonymisierte Daten von Nutzern der App dazu aus, wie regelmäßig die Nutzer die App nutzen und wie sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Nutzer über 20 Übungstage mit der App veränderte. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wird in der App unter anderem durch einen standardisierten Fragebogen erfasst, den auch Ärzte benutzen.

Pilotstudie wertet Wirkung des Übungsprogramms aus

Von 349 Nutzern, die die App herunterluden, erfüllten 56 die Kriterien, um in die Auswertung einbezogen zu werden. 34 Nutzer hatten zum Zeitpunkt der Auswertung bereits das 20-tägige Übungsprogramm abgeschlossen und ihre Daten wurden ausgewertet. Im Schnitt dauerte es 33 Tage, bis die Nutzer das Hauptprogramm der App bestehend aus 20 Übungstagen abgeschlossen hatten. Nutzer, die das gesamte Übungsprogramm absolviert hatten, verbesserten ihre Beschwerden, ermittelt durch den COPD Assessment Test (CAT), der auch in der ärztlichen Praxis angewendet wird, um die Beschwerden und Lebensqualität von COPD-Patienten zu beurteilen. Für die 34 Nutzer zeigte sich ein statistisch nachweisbarer und klinisch relevanter Effekt der App auf die Bereiche Fatigue, Krankheitsbewältigung und den Umgang mit Gefühlen. Auch die Atemnot bewerteten die Teilnehmer geringer. Die Auswertung der Daten zeigte zwar einen statistisch nachweisbaren Effekt, der jedoch nicht groß genug war, um auch als medizinisch relevant zu gelten.

Verbesserungen durch App möglich – größere Untersuchung notwendig für Belege

Diese kleine Pilotstudie zeigt, dass eine Digitalisierung der Lungenrehabilitation als Smartphone-App möglich ist und von ausgewählten Patienten akzeptiert wird. Die App führte in der Untersuchung zu kurzfristigen Verbesserungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität durch das Absolvieren des 20-tägigen Übungsprogramms. Die Macher der Studie räumen jedoch ein, dass die Untersuchung aufgrund ihrer beobachteten Natur viele methodische Grenzen hat und vor allem dazu gedacht war, die Machbarkeit zu überprüfen und erste Hinweise für eine geplante randomisierte klinische Studie zu sammeln. Solch weitere Untersuchungen sind nötig, um die Wirksamkeit des Programms der App wissenschaftlich zu belegen.

App ist als Medizinprodukt registriert

Die App ist als Medizinprodukt in der Europäischen Union registriert. Laut Hersteller ist eine Testphase kostenlos, in der 20 Übungseinheiten enthalten sind. Danach wird, um die App im vollen Funktionsumfang zu nutzen, der Abschluss eines Abos nötig. Es besteht die Möglichkeit, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt, dann kann sich der jeweilige Kunde über einen Code in die App einloggen. Ansonsten erfolgt die Registrierung über einen Namen, eine E-Mail-Adresse und ein Passwort.

Internationale Publikation zur Studie: Rassouli F, et al. 2018. Digitalizing multidisciplinary pulmonary rehabilitation in COPD with a smartphone application: an international observational pilot study. Int. J. Chron. Obstruct. Pulmon Dis. Nov 23;13:3831–3836

Quelle: https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2019/09/30/reha-per-app-kaia-copd-wirksamkeit/