[js] Nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG): „Viele Probleme in der Heilmittelversorgung drängen auch weiterhin. Die überfällige Ausbildungsreform, die Umsetzung der Blankoverordnung, bisher nicht vorgesehene Modellvorhaben zum Direktzugang von Patientinnen und Patienten zur Heilmittelversorgung, und die bundesweite Umsetzung der Schulgeldfreiheit. Vor allem die hohen Kosten in der Ausbildung, teure Fortbildungen und ein viel zu niedriges Einkommen betreffen alle Berufe in der Heilmittelversorgung und führten dazu, dass ein Fachkräftemangel droht“, so Dr. Achim Kessler, Gesundheitsexperte der Linken, in einer Erklärung.

Deshalb hat die Fraktion Die Linke am 21. Oktober 2019 nach Berlin eingeladen und einen „Ratschlag zur Heilmittelversorgung“ organisiert, mit dem Schwerpunkt „Wie weiter nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz – Was ist erreicht? Wo stehen wir jetzt?“

Runder Tisch – Wie könnten die nächsten Schritte sein?

Gemeinsam mit Therapeuten unterschiedlichster Fachrichtungen wurde die aktuelle Situation in der Heilmittelversorgung analysiert und diskutiert, was aus Sicht von Beschäftigten, Aktivisten und den jeweiligen Berufsverbände die wichtigsten Forderungen und nächsten Schritte für eine Verbesserung sein könnten.

Nach der Begrüßung und Eröffnung des Ratschlags durch Dr. Achim Kessler konnten die Teilnehmenden zunächst Kurzvorträge mit anschließender Diskussion hören zu den Themen Direktzugang, von Volker Brünger, von Therapeuten am Limit; zur Situation in der Logopädie, von Christiane Sautter-Müller, von LOGO Deutschland; zu betrieblichen Auseinandersetzungen an der Charité, vorgetragen von Stephan Strasser, vom Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH; und zur Bewegung in der Heilmittelversorgung, von Thomas Etzmuß, von Vereinte Therapeuten.

In den darauf folgenden Arbeitsgruppen wurde „teils kontrovers aber sehr produktiv debattiert über die Arbeitsbedingungen in der Heilmittelversorgung, die Reform und Akademisierung der Ausbildung und den Direktzugang, und die Voraussetzungen einer bedarfsgerechten Versorgung“, so die Erklärung weiter.

Resolution – Weitere Maßnahmen um die Vergütungen zu verbessern

Der „Ratschlag“ endete mit einer gemeinsamen verabschiedeten Resolution, der die Bundesregierung und die sie tragende Koalition sowie die Landesgesetzgebung auffordert,

  1. weitere Maßnahmen zu ergreifen, um durch die Erhöhung der Vergütungen, die Einkommen insbesondere der Praxisinhabenden kleiner Praxen zu verbessern.Durch weitere Maßnahmen muss auch sichergestellt werden, die Einkommen der in den Praxen angestellten Heilmittelerbringenden mindestens auf Klinikniveau zu heben,
  2. schnellstmöglich sämtliche Schulgelder bei Heilmittelausbildungen abzuschaffen. Ab Juli 2019 gezahlte Schulgelder sind den Schüler*innen zu erstatten,
  3. zu evaluierende Modellprojekte zum Direktzugang gesetzlich einzuführen. Dazu ist in einer oder mehreren KV-Regionen eine Einigung zwischen den maßgeblichen Verbänden der Heilmittelerbringenden mit dem GKV-Spitzenverband unter Anhörung der KV festzuschreiben. Die Evaluation ist aus Bundesmitteln zu finanzieren und durch das BMG im [Einver]nehmen mit Heilmittelerbringenden und Krankenkassen zu beauftragen,
  4. bei den Blankoverordnungen gesetzlich festzulegen, dass die zwischen Kassen und Heilmittelverbänden zu treffende Vereinbarung über die Indikationen mindestens 50 Prozent des Versorgungsgeschehens beinhaltet,
  5. die (Hochschul-)Ausbildungen auf Grundlage qualitativer Standards zu modernisieren und dabei auch die Weiterbildungen, die für die Erbringung gewisser Leistungen zu Lasten der GKV Voraussetzung sind, in die Ausbildungen zu integrieren,
  6. dass angesichts sehr großer regionaler Differenzen, das Bundesministerium für Gesundheit, den Bedarf der Bevölkerung an Versorgung mit Heilmitteln beforscht, um perspektivisch die Versorgung entsprechend planen zu können.

 

Quelle: Kessler A. 2019. Ratschlag und Resolution zur Heilmittelversorgung. https://www.achim-kessler.de/post/ratschlag-und-resolution-zur-heilmittelversorgung; Zugriff am 24.10.19