[jr] MS- und Rehabilitations-Experten aus Großbritannien haben ein neues Trainingsprogramm gegen Bewegungseinschränkungen und Stürze bei Multipler Sklerose entwickelt. „Balance Right in MS“ (abgekürzt BRiMS) beinhaltet spezielle Übungen und Fortbildungselemente. In einer Machbarkeitsstudie, welche an vier verschiedenen Zentren in England durchgeführt wurde, zeigte sich gute Akzeptanz und Effekte des Trainings, allerdings schien der Umfang der Übungen und des Fortbildungsprogrammes noch zu groß.

Hilfe durch spezielle Übungen

Menschen mit sekundär progredienter Multipler Sklerose haben oft Probleme mit der Balance, erfahren Bewegungseinschränkungen und stürzen häufig. Britische Experten entwickelten mit BRiMS nun ein spezielles Trainingsprogramm für Betroffene. Das 13-wöchige Programm soll zuhause und auch in der Gruppe helfen, das Gleichgewicht zu verbessern und gleichzeitig eine größere Sicherheit bei der Fortbewegung erzielen.

Machbarkeitsstudie

Die Teilnehmer der randomisierten, kontrollierten Machbarkeitsstudie wurden zufällig auf Behandlungs- und Kontrollgruppen verteilt. Voraussetzung für die Teilnahme war zudem, dass sie in den letzten sechs Monaten zweimal oder häufiger gestürzt waren. Zu Beginn der Studie, sowie nach 15 und 27 Wochen wurde die Einschätzung des Gleichgewichtsgefühls, der Bewegungsfähigkeit und der Lebensqualität der Probanden durch unvoreingenommene Tester durchgeführt. Insgesamt nahmen 56 Patienten, hiervon 66 Prozent Frauen, teil. 30 davon wurden der Behandlungsgruppe zugeordnet. Im Verlauf der Studie brachen jedoch elf Patienten die Teilnahme ab. Die Probanden hatten ein mittleres Alter von 59,7 Jahren und litten unter Einschränkungen mit einem mittlerem EDSS von 6,0 Punkten.

Vorteile des Trainings

Die Gehfähigkeit der Teilnehmer wurde mittels der „MS Walking Scale“ (MSWS) ermittelt. Die Patienten der Behandlungsgruppe verbesserten sich hier um 7,7 Punkte im Vergleich zur Kontrollgruppe. In der allgemeinen Belastung durch die Multiple Sklerose (MSIS) zeigten sich jedoch keine Unterschiede. Auch bei der Lebensqualität (EUroQol) konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Nur 62 Prozent der Patienten führten aus technischen oder logistischen Gründen ein Sturz-Tagebuch.

Ergebnisse

In den 27 Wochen wurden 715 Stürze gemeldet, von denen 101 (14 Prozent) zu Verletzungen führten. Dies entspricht einer Rate von 21,9 Stürzen pro Jahr und Person bei der Behandlungsgruppe und 25,9 Stürzen pro Jahr bei der Kontrollgruppe. Bei 4,7 Fällen der Kontrollgruppe kam es zu Verletzungen durch die Stürze. Bei der Behandlungsgruppe trat dies nur bei 2,2 Fällen auf. Die Rückmeldungen der Patienten bezüglich der Qualität des Programms waren positiv. Sie zeigten Zufriedenheit mit dem Programm, Akzeptanz des Aufwandes und sie hatten das Gefühl, dass die Übungen ihnen eine spürbare Verbesserung gebracht hätten.

Vielversprechende Aussichten

Das Übungsprogramm wurde von den Probanden gut akzeptiert und schien Effekt zu zeigen. Jedoch zeigte sich, dass der Umfang der Übungen und des Fortbildungsprogramms zu groß zu sein scheint. Auch die technischen Probleme des Sturz-Tagebuchs sollten behoben werden. Durch die Rückmeldungen der Patienten wird das Programm momentan verbessert. Mit dieser verbesserten Version soll dann eine größere Multizentren-Studie durchgeführt werden.

 

 

Quelle: deutschesgesundheitsportal.de