[jr] Zur Behandlung von Migräne liegen frei zugängliche evidenzbasierte Leitlinien vor. Trotzdem müssen sich viele Betroffene unnötigen Untersuchungen wie Computertomographien (CT) und Magnetresonanztomographien (MRT) unterziehen, ohne dass ihre Beschwerden dadurch gelindert werden.

Bestmögliche Therapie

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat deshalb die bundesweite Initiative „Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen“ gestartet, mit dem Ziel, alle Patienten schnellstmöglich mit der bestmöglichen Therapie zu versorgen. Die DMKG beruft sich bei ihrer Aktion auf Ergebnisse einer Studie, die kürzlich im „The Journal of Headache and Pain“ veröffentlicht wurde.

Wertvolle Zeit

Die Studie wurde am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) durchgeführt und zeigt, laut der Präsidentin der DMKG Dr. med. Stefanie Förderreuther, den großen Bedarf einer Verbesserung der Migräneversorgung. Bei Migränepatienten wird oft wertvolle Zeit verschwendet, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Zudem erhalten die wenigsten von ihnen eine adäquate Akuttherapie und Prophylaxe. Das Risiko einer Chronifizierung steigt und die Lebensqualität der Patienten ist erheblich eingeschränkt. In die Studie wurden 1935 Patienten eingeschlossen. Sie waren im Schnitt 37,3 Jahre alt und litten etwa an 12,1 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen.

Unnötige Untersuchungen

Bei 54,2 Prozent der Patienten wurde wegen des Kopfschmerzes ein CT durchgeführt. Bei 51,4 Prozent ein MRT. Diese Untersuchungen trugen jedoch nicht zur Diagnose bei. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Patienten mit typischer Migränesymptomatik und normalem Untersuchungsbefund keine bildgebenden Verfahren, wie CT oder MRT zur Sicherung der Diagnose benötigen. Die Verfahren verursachen erhebliche Kosten und verbessern die eigentliche Therapie nicht, außer den Patienten und den Arzt gleichermaßen zu beruhigen.

Übergebrauch von Medikamenten

Es zeigten sich in der Studie Hinweise darauf, dass ein Übergebrauch von Schmerzmitteln bei Migränepatienten häufig unerkannt und somit unbehandelt bleibt. Dies kann unter Umständen jedoch zu einer Chronifizierung der Attacken führen. Laut Studie haben sich von 9,2 Prozent der Patienten, die bei ihrer Erstkonsultation einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch zeigten, ein Viertel noch nie einem Entzug unterzogen. Viele der Patienten ahnen nicht, dass gerade der Übergebrauch von Medikamenten wesentlich zu einer Verstärkung und Chronifizierung ihrer Kopfschmerzen beiträgt.

Unzureichende Prohylaxe

Ein Drittel der Probanden der Studie hatten keine leitliniengerechte Therapie erhalten. Mehr als der Hälfte der Patienten (53,3 Prozent) war entweder kein Medikament zur Prophylaxe verordnet worden oder sie hatten es nicht eingenommen. Bei 60,8 Prozent der Patienten lag jedoch die Indikation für eine Migräneprophylaxe vor. Daraus resultieren die im Schnitt 5,1 (bis zu 15) versäumten Arbeits- oder Schultage. An 8,2 (bis zu 19 Tagen) im Monat konnten die Probanden ihren Haushaltspflichten nicht nachkommen und in Einzelfällen verpassten sie bis zu 18 Tage ihres Familienlebens oder ihrer Freizeit.

Leitliniengerechte Behandlung

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser ist sie zu therapieren. Ist die Chronifizierung fortgeschritten wird die Behandlung aufwendiger. Da Migräne eine hirnorganische Erkrankung ist, wird der Verlauf durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst. Stress spielt hier eine große Rolle, aber auch hormonelle Schwankungen oder Faktoren des Lebensstils fließen mit ein. Die Follow-Up-Daten des UKE zeigen, dass viele Patienten gut auf eine leitliniengerechte Behandlung ansprechen. Die Wirksamkeit der eingeleiteten Behandlung bewerteten die Ärzte in 71,2 Prozent der Fälle als sehr gut oder gut. Die Akuttherapie wurde in 77,3 Prozent der Fälle ebenfalls als sehr gut oder gut eingestuft. Die Prophylaxe erwies sich bei 140 Patienten mit mindestens drei Migräneattacken im Monat ohne prophylaktische Vorbehandlung in 79,3 Prozent der Fälle als sehr gut, gut oder ziemlich gut.

Die Behandlungsleitlinien sollten bei Migränepatienten zukünftig besser in die klinische Praxis integriert werden, um unnötige Untersuchungen zu vermeiden und die Patienten schneller und effizienter versorgen zu können.

 

 

 

Quelle:

Pressemitteilung http://www.dmkg.de