[js] Köln – Der Zusammenschluss einiger großer Verbände der Therapieberufe ist sich einig: „Eine vollständig hochschulische Berufsausbildung der Ergotherapie, der Logopädie und der Physiotherapie ist dringend notwendig“, so steht es in einer am 28. November veröffentlichten Pressemitteilung. Und weiter: „Jetzt die Weichen stellen für eine zukunftsfeste Ausbildung der Therapieberufe in Deutschland!“ Unterzeichnet ist die Erklärung von dbl, DVE, dem Fachbereichstag Therapiewissenschaften, HVG, IFK, Physio-Deutschland, VAST und VPT.

Adäquat auf Herausforderungen vorbereiten

In einem beigefügten Positionspapier erläutert das neue „Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen“, dass nur durch eine Modernisierung der Ausbildungen die therapeutische Patientenversorgung nachhaltig interdisziplinär und evidenzbasiert gestaltet sowie die Therapeuten adäquat auf Herausforderungen wie den demographischen Wandel und die Zunahme chronischer, psychischer und neurologischer Erkrankungen vorbereitet werden können.

Abwanderung aus den Therapieberufen

Aktuell steht der steigende Behandlungsaufwand sinkenden Absolventenzahlen und einer hohen Abwanderung aus den Therapieberufen gegenüber. Erst im letzten Monat ging aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion hervor, dass die Ausbildungszahlen in den drei Berufen Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie seit drei Jahren rückläufig sind.

Eine Modernisierung der Ausbildungen hin zu einem grundständigen Studium steigert die Attraktivität der Berufsbilder nachweislich, das bescheinigt auch die aktuelle VAMOS-Studie in Nordrhein-Westfalen. Nach Veröffentlichung der VAMOS-Studie bestätigt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), dass die Kompetenzen der Bachelorabsolventen in der Praxis bei den Patienten ankommen und sie dort auch dringend gebraucht werden.

Vollständige hochschulische Ausbildung so schnell wie möglich

Zur Sicherung einer hohen Qualität in der therapeutischen Patientenversorgung und zur Überwindung eines bereits existenten Fachkräftemangels in den Therapieberufen fordert das Bündnis die Politik deshalb auf, den Beschluss für eine vollständig hochschulische Ausbildung noch in dieser Legislaturperiode zu fassen. Dementsprechend hat das Bündnis dem Bundesministerium für Gesundheit konkrete Vorschläge vorgelegt, um die Akademisierung innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren umzusetzen.

Sukzessiver Transformationsprozess nötig

„In einem sukzessiven Transformationsprozess können die erforderlichen Studienkapazitäten für eine flächendeckend hochschulische Ausbildung in den Fachrichtungen Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie erreicht werden“, so das Bündnis. „Der Ausbau der vorhandenen primärqualifizierenden Kapazitäten sowie der Aus- und Umbau der weiteren Studiengänge bieten sehr gute Voraussetzungen für die erforderliche Ausbildungsreform. Dabei würde die Verlagerung der Ausbildung an Hochschulen den Zugang für Berufsanwärterinnen und -anwärter ohne Hochschulzugangsberechtigung nicht erschweren. Denn: Zum einen verfügen bereits heute sehr viele angehende Berufsangehörige über eine Hochschulzugangsberechtigung. Zum anderen existieren im deutschen Bildungssystem ohnehin grundsätzliche Vorkehrungen zur Erleichterung der Durchlässigkeit je nach Schulabschluss.“

Niedrigschwellig: Medizinischer Massagetherapeut

Zusätzlich würde beispielsweise mit dem Beruf des Medizinischen Massagetherapeuten ein niedrigschwellig zu erlernender Beruf erhalten bleiben, der den Weg in die Weiterqualifizierung eröffnen könnte.

Das Bündnis

Im „Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen“ haben sich große und relevante Berufs- und Ausbildungsverbände der Therapieberufe Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie zusammengeschlossen. Gemeinsam repräsentieren sie über 130.000 Ausübende und Auszubildende der Gesundheitsfachberufe  sowie die führenden Zusammenschlüsse der Hoch- und Berufsfachschulen.

 

Quelle: Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen. 2019. „Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen“ positioniert sich gegenüber der Politik: Jetzt die Weichen stellen für eine zukunftsfeste Ausbildung der Therapieberufe in Deutschland!. Pressemitteilung vom 28.11.2019