Bei einem Riss des vorderen Kreuzbandes stellen sich die betroffenen Patienten oft die Frage, ob sie sich für eine OP oder Physiotherapie entscheiden sollen. Einfach ist die Beantwortung dieser Frage nicht. Es gibt zahlreiche Studienergebnisse und Empfehlungen von Ärzten, die aber sehr stark voneinander abweichen.

Unterschiedliche Messmethoden

[jr] Dr. Ralph Akoto ist leitender Oberarzt am chirurgisch-traumatologischen Zentrum im AK St. Georg in Hamburg. Er hat zusammen mit seinem Team viele Studien zur Kreuzbandchirurgie verglichen. „Die Studien kommen vor allem aus zwei Gründen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Erstens sind die Messmethoden sehr unterschiedlich. Zweitens kann man in der Qualität der Operationen sehr große Unterschiede sehen. Wenn ich ein schlecht operiertes Kreuzband mit der Heilung in der Physiotherapie vergleiche, kommt natürlich nahezu das Gleiche heraus. Es dauert 6-7 Jahre, eine Kreuzband-OP so zu erlernen, dass man es gut kann!“

Rückfallquote

Bei rund sechs Prozent der Patienten reißt nach einer Operation innerhalb der nächsten fünf Jahre das Kreuzband erneut. Bei 12 Prozent reißt in diesem Zeitraum das Kreuzband auf der Gegenseite. Im Leistungsfußball erfolgt ein erneuter Riss des Kreuzbandes bei bis zu 25 Prozent aller männlichen Patienten im Alter von 16-18 Jahren im ersten oder zweiten Jahr nach der OP. Aufgrund dieser Zahlen empfiehlt Dr. Akoto jeden Fall individuell zu prüfen, um die Notwendigkeit eines Kreuzbandersatzes festzustellen. Hierzu spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Das Alter des Patienten, wie aktiv der Patient Sport betreibt und wie aktiv er seinen Alltag führt. „Ein 18jähriger Fußballer beispielsweise, dem Verschleißerscheinungen drohen und der aktiv seinen Sport weiter betreiben will, sollte sich unbedingt operieren lassen.“, so Dr. Akoto.

Abwägung

Für eine OP spricht die Tatsache, dass ein neues stabiles Kreuzband hilft, weitere Verletzungen, wie zum Beispiel einen Meniskus-Riss zu vermeiden. Zudem senkt die OP das Risiko an Arthrose zu erkranken. Auch berichten Patienten weit weniger von einer Instabilität nach einer OP als nach der Physiotherapie. Je besser und genauer die Messmethoden, desto besser schneidet eine OP im Vergleich zur Physiotherapie ab.
Im Gegensatz dazu lohnt es sich bei älteren Patienten auf jeden Fall den Riss lange ausheilen zu lassen und Physiotherapie durchzuführen. Im Alter von 40 bis 60 Jahren schreiten Verschleißerscheinungen nicht mehr so schnell fort und führen nicht zu solch großen Beeinträchtigungen, wie in jungen Jahren. Hat der betroffene Patient kein Gefühl der Instabilität, übt sanften Sport aus und kann seinen Alltag anpassen, dann kann auf eine Operation verzichtet werden.

 

Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbands für Arthroskopie e.V. (BVASK)