Frau M. hat schon seit Langem Schmerzen; wo genau, kann sie nicht angeben. An die eigentliche Ursache erinnert sie sich gar nicht mehr. „Die Schmerzen begleiten mich schon jahrelang, keiner kann mir helfen und ich habe mittlerweile große Angst, dass meine Beschwerden nie wieder besser werden“, beschreibt die Patientin ihre Sorgen. Dieses Bild ist ein gänzlich anderes, als man es sonst in der Literatur zu klinischen Mustern findet. In solchen Fällen können Sensibilisierungsprozesse eine Rolle spielen.

Die klinischen Präsentationen von Patienten mit persistierenden muskuloskelettalen Schmerzen sind für den praktisch tätigen Physiotherapeuten nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen. Selten verhalten sich Symptome, Schmerzen, deren Ausstrahlungsgebiete oder auch die körperlichen Reaktionen nach passiven und aktiven Interventionen wie erwartet. Klinische Muster in vielen Lehrbüchern vermitteln oft ein zu einfaches Bild: Beschriebene Interventionen führen in den meisten Fällen zu einer klaren Verbesserung, die Schmerzen strahlen in dermatomgebundene Gebiete aus oder es lassen sich durch die Beschreibung von Schmerzlokalisationen exakte Rückschlüsse auf die betroffene Struktur ziehen. Patienten, insbesondere solche mit persistierenden Schmerzen, zeigen häufig ein anderes Bild, das den klassischen klinischen Mustern nicht hinreichend entspricht. Abbildung 1 zeigt einen möglichen Bodychart eines Patienten mit persistierenden Schmerzen.