Während die Physiotherapeuten in Deutschland noch um den Direktzugang kämpfen, ist er für unsere australischen Kollegen seit den späten 1970er-Jahren Alltag. Aber wie gut funktioniert dort die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Therapeut? Wie oft überweisen Allgemeinmediziner ihre Patienten noch zum Physiotherapeuten, und bei welchen Krankheitsbildern?

Im Jahr 2010 kamen in Australien über 70 Prozent der Patienten ohne Überweisung durch einen Arzt direkt zum Physiotherapeuten (1). Dabei haben 80 Prozent der Patienten, die vom Allgemeinmediziner zum Physiotherapeuten überwiesen werden, muskuloskelettale Beschwerden – das zeigt die Auswertung der nationalen australischen BEACH-Studie (Bettering the Evaluation and Care of Health), die von 1998 bis 2016 lief (2). Der Anteil der von Allgemeinmedizinern behandelten muskuloskelettalen Beschwerden, die zum Physiotherapeuten überwiesen werden, beträgt aber nur 6,8 Prozent. International unterscheidet sich das Überweisungsverhalten der Allgemeinmediziner bezüglich Physiotherapie stark. Dabei zeigen verschiedene Untersuchungen, dass die bestehende professionelle Beziehung zwischen Arzt und Therapeut ausschlaggebend für eine zunehmende Zusammenarbeit ist: So überweisen englische Ärzte eher zum Physiotherapeuten, wenn sie positive Erfahrungen damit gemacht haben.