Politik
pt Oktober 2021

Ambulante Schlaganfall-Nachsorge

Defizite in der Versorgungsrealität erkennen und verbessern

Während die Versorgung in spezialisierten Kliniken und großen Rehaeinrichtungen in der Regel bereits leitliniengerecht und interprofessionell abläuft, gibt es im Hinblick auf die langfristige ambulante Nachsorge Defizite. Hier ist auch unsere Berufsgruppe zur Implementierung von Verbesserungsprozessen gefragt.

Ein Beitrag von Laura Homann
Lesezeit: ca. 7 Minuten
fizkes/Shutterstock

Die ambulante Schlaganfall-Nachsorge weist zum Teil obsolete Rahmenbedingungen der Heilmittelversorgung auf (1). Zum einen besteht kein einheitliches Nachsorgekonzept für Schlaganfallpatienten, zum anderen wird den Behandelnden kein Raum für relevante interprofessionelle Zusammenarbeit geboten (2). Vor allem in strukturschwachen Regionen sind dadurch wohnortnahe interdisziplinäre ambulante Nachsorgemöglichkeiten nach stationären Rehabilitationen nicht ausreichend vorhanden und es fehlen die nötigen Rahmenbedingungen, um den Anforderungen interprofessioneller Zusammenarbeit gerecht zu werden (3, 4). Doch was kann unsere Berufsgruppe unternehmen? Dieser Beitrag erläutert, wie sich die aktuelle Situation der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Schlaganfall-Nachsorge darstellt und was von der Profession Physiotherapie realistisch erwartet werden kann, um die Bedingungen zu verbessern.

Defizite

Nach Entlassung aus der stationären Rehabilitation stellen die niedergelassenen Hausärzte, welche die Kooperation und Koordination der Versorgung übernehmen, die primäre Anlaufstelle dar (5). Die niedergelassenen Ärzte richten sich bei der Verordnung der Heilmittel vor allem nach den Heilmittelrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) (1). Nach wie vor zählt die Physiotherapie zu den am häufigsten verordneten Berufsgruppen der Leistungserbringer in der ambulanten Nachsorge, gefolgt von Ergotherapie und Logopädie (1). Der in den Heilmittelrichtlinien zu findende Heilmittelkatalog der Physiotherapeuten beinhaltet derzeit nur die „alten“ Techniken nach Bobath, Vojta sowie PNF. Neuste evidenzbasierte neurologische Therapien werden nicht aufgeführt (1). Dabei wird interprofessionelle Zusammenarbeit von modernen, evidenzbasierten Therapieansätzen in der ambulanten Nachsorge miteinbezogen und als notwendig erachtet. Zudem zeigt sich, dass Dosierungen von Heilmitteln nicht den individuellen Bedarfen der Betroffenen angepasst sind (1). Eine Erleichterung könnten hier die kommende Blankoverordnung oder der Direktzugang bieten – beides würde eine selbstbemächtigte Entscheidung über Umfang, Art und Dauer der Therapie ermöglichen. Dies würde unsere Berufsgruppe befähigen, autonomer zu arbeiten und die Gesamtheit ihrer Kompetenzen in die Therapieplanung miteinfließen zu lassen.

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Erschienen am 12. Oktober 2021