In einer Artikelserie gibt der Autor einen Einblick in die Ursprünge und Kernaussagen zum Konzept der angewandten Neurodynamik in der Physiotherapie. Michael Shacklock entwickelte das Konzept bereits 1995. 

Ursprünge und Basis des neurodynamischen Ansatzes

Der Gedanke zu Shacklocks Konzept (1) entstand auf der Grundlage seiner Erfahrung mit neuralen Spannungs- und Mobilisationstechniken, die bei Patienten Probleme hervorriefen. Sie hatten keinen positiven Effekt, sondern führten eher zu einer Provokation der Symptome.

Seit geraumer Zeit ist die manuelle Behandlung von neuralem Gewebe in der Physiotherapie bekannt (Abb. 1 und 2). Viele Autoren (2–6) haben dieses Thema bereits eingehend diskutiert und zu Neuerungen in diesem Kontext beigetragen. In der Anfangsphase des „neuralen“ Ansatzes basierten viele der Techniken nur auf einer kleinen Anzahl der heute bekannten Mechanismen. Diese frühen Methoden hatten auch andere Namen, zum Beispiel „negative neurale Spannung“ und „neurale Mobilisation“. Damals lag das Hauptaugenmerk auf der Dehnung und Bewegung von Nerven. Dies war jedoch zu eindimensional gedacht, da viele relevante Mechanismen zu dieser Zeit ausgelassen wurden und der Schwerpunkt nur auf der isolierten Bewegung des neuralen Gewebes lag. Das ist auch heute noch teilweise so.