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pt November 2021

Antidepressiva gegen Krebs?

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Crevis / shutterstock.com

[jr] Ein Forscherteam der Universität Zürich und des Universitätsspitals Zürich konnten zeigen, dass klassische Antidepressiva das Wachstum von Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs bei Mäusen verlangsamten. In Kombination mit einer Immuntherapie stoppten sie das Krebswachstum sogar langfristig. Die Tumore verschwanden teilweise komplett. Die Ergebnisse sollen nun in klinischen Studien an Menschen überprüft werden. Obwohl seit einigen Jahren neue, wirksame Behandlungen, wie zielgerichtete Antikörper oder Immuntherapien verfügbar sind, sterben die meisten Patienten mit diesen Krebsarten im fortgeschrittenen Stadium innerhalb weniger Jahre nach der Diagnose. Ein Problem ist, dass die Tumorzellen mit der Zeit resistent gegen die Medikamente werden und vom Immunsystem nicht mehr erkannt werden. Nun hat die Gruppe entdeckt, welche Rolle Serotonin bei diesem Resistenzmechanismus der Tumorzellen spielt. Krebszellen nutzen Serotonin, um die Produktion eines zentralen Moleküls der Krebsentwicklung anzukurbeln. Eine Klasse von Antidepressiva und andere Serotoninblocker führen laut Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie dazu, dass die Abwehrzellen die Tumorzellen wieder erkennen und effizient eliminieren. In einem nächsten Schritt kombinierte das Team eine Immuntherapie, welche die Aktivität der Killer-T-Zellen steigert, mit Medikamenten, die peripheres Serotonin reduzieren – mit eindrücklichen Resultaten.

Quelle: Schneider MA, et al.2021. Attenuation of peripheral serotonin inhibits tumor growth and enhances immune checkpoint blockade therapy in murine tumor models. Sci. Transl. Med. Sep 15, 13(611) [Online]

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Erschienen am 10. November 2021