Solange der Gesundheitsmarkt für Apps noch so vielschichtig ist, gehen damit Gefahren für Patienten einher. Therapeuten benötigen deshalb Fachwissen, um potenzielle Behandlungsfehler zu erkennen. Neben der praktischen Anwendung wird sich auch das Arbeitsfeld von Heilmittelerbringern um elektronische Medien erweitern. Im Hinblick auf zukünftige Verhandlungen ist Know-how für eine gute Argumentationsgrundlage gefordert, um Fragen der Vergütung oder der Zuständigkeit zu klären.

Begrifflichkeiten verstehen

Im Alltag ist oft von E-Health und mHealth die Rede. Die Begrifflichkeiten werden kaum differenziert, sind aber zu unterscheiden. Denn schon allein durch die Bezeichnung können User in die Irre geführt werden. E-Health steht für den Einsatz von elektronischen Geräten bei der medizinischen Versorgung und gesundheitsnahen Dienstleistungen. Die Definition des Bundesministeriums für Gesundheit lautet: „Unter E-Health fasst man Anwendungen zusammen, die für die Behandlung und Betreuung von Patientinnen und Patienten die Möglichkeiten nutzen, die moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bieten. E-Health ist ein Oberbegriff für ein breites Spektrum von IKT-gestützten Anwendungen, in denen Informationen elektronisch verarbeitet, über sichere Datenverbindungen ausgetauscht und Behandlungs- und Betreuungsprozesse von Patientinnen und Patienten unterstützt werden können. Dies betrifft beispielsweise die Kommunikation medizinischer Daten, die mit der elektronischen Gesundheitskarte verfügbar gemacht werden“ (1). Der Begriff mHealth steht für Mobile Health. Das Bundesministerium für Gesundheit stellt dafür keine eigene Definition zur Verfügung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert mhealth als Einsatz von drahtlosen Geräten, die den medizinischen Bereich unterstützen, zum Beispiel Mobiltelefone oder Personal Digital Assistants (2). Die Telemedizin beschreibt den Einsatz von festen oder mobilen Endgeräten, mit denen sich ein direkter Kontakt zu medizinischem Fachpersonal herstellen lässt. Sie ist also ein Sammelbegriff für medizinische Leistungen über eine räumliche Entfernung und wird dem Bereich E-Health zugeordnet (3). Die Verwendung der Begriffe Gesundheit, Medizin und Wellness ist ebenfalls problematisch. Die WHO definiert Gesundheit als Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen. Diese umfassende Definition schließt alles ein, was diesen Zustand unterstützt. Die Begriffsdefinition der Medizin beinhaltet eine wissenschaftliche Komponente – ein wesentlicher Unterschied. Wellness zielt auf die Verbesserung körperlichen und seelischen Wohlbefindens ab, hat aber keinen medizinischen Anspruch (2). Ist also die Rede von einer Gesundheits-App, kann auch der Aspekt Wellness gemeint sein. Spricht man von einer medizinischen App, fußt dies auf einer wissenschaftlichen Basis und dient der Behandlung oder Prävention.