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Um herauszufinden, welche berufliche Neigung ein Mensch hat, wird oft der sogenannte Situative Interessenstest (SIT) des österreichischen Psychologen Werner Stangl angewendet. Er ordnet Menschen, anhand ihrer Antworten zu seinem Frage-Test, in sechs Bereiche ein: realistisch, intellektuell, künstlerisch, sozial, unternehmerisch und konventionell. Je nach dem, welche Bereiche dominieren, neigt ein Teilnehmer des Tests also zum Beispiel eher in Richtung Technik oder Soziales. Es stellte sich bisher die Frage, ob diese Tests tatsächlich objektiv messbar sind. Christoph Krick und Stefan Gurres sagen ja. Hirnforscher Christoph Krick von der Klinik für Neuroradiologie am Universitätsklinikum in Homburg (Saarland), und Stefan Gurres, Lehrer an der dortigen Ignaz-Roth-Schule , haben gemeinsam 104 Schülerinnen und Schüler im MRT untersucht, nachdem alle zuvor den Situativen Interessenstest nach Stangl absolviert haben. Hierfür haben die beiden die Verteilung und die Dichte der sogenannten Grauen und Weißen Substanz im Gehirn im MRT bestimmt. Je mehr Graue Substanz und je dichter diese in einem entsprechenden Areal ist, desto stärker ist also eine intellektuelle oder berufliche Neigung, die im Zusammenhang mit diesem bestimmten Hirnareal steht. Bei allen Probanden konnten Christoph Krick und Stefan Gurres eine deutliche Korrelation zwischen den Testergebnissen des Situativen Interessenstests und den anatomischen Eigenheiten jedes einzelnen Schülergehirns feststellen.

Quelle: Gurres S, et al. 2021. The individual inclination to an occupation and its neuronal correlate. Front. Educ. [Online]

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pt Juni 2021

Erschienen am 10. Juni 2021