Die Autoren führten am Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum eine Studie über das Sturzrisiko bei vestibulären Erkrankungen durch. Sie fanden heraus, dass vor allem Patienten mit zentral-bedingtem Gleichgewichtsdefizit ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko haben, gefolgt von Patienten mit peripher-bedingten Störungen. Deswegen nutzen sie einen Algorithmus zur Bestimmung des Sturzrisikos, dem entsprechende Interventionen folgen.

Mit zunehmendem Alter steigt die Sturzgefahr. Studien zeigen, dass rund 30 Prozent der über 60-Jährigen mindestens einmal jährlich stürzt (1, 2). Neben höherem Alter können verschiedene Erkrankungen für Stürze verantwortlich sein. Patienten mit Störungen des Gleichgewichtssystems bilden eine solche besonders sturzgefährdete Gruppe. Eine Studie am Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum (DSGZ) untersuchte 569 Patienten mit vestibulären Erkrankungen und 100 nicht-erkrankte Vergleichspersonen hinsichtlich ihrer Sturzereignisse (3). Alle vestibulär-erkrankten Patienten hatten unabhängig von ihrem Alter gegenüber der nicht-erkrankten Vergleichsgruppe ein deutlich gesteigertes Risiko zu stürzen. Das Sturzrisiko war bei peripher-vestibulären Störungen moderat und bei zentral-vestibulären Störungen sehr stark erhöht (Tab. 1). Darüber hinaus besteht bei Patienten mit zentral-vestibulären Erkrankungen eine große Gefahr für Stürze mit schweren Verletzungsfolgen. Rund ein Drittel der Gestürzten musste aufgrund einer Verletzung ambulant oder stationär behandelt werden (3). Die Daten zeigen eindrücklich, dass für Patientengruppen mit besonders hohem Sturzrisiko eine gezielte Untersuchung notwendig ist, um einschätzen zu können, wie stark sturzgefährdet der Einzelne ist. Dies ist für die Sturzprävention von entscheidender Bedeutung.