Wenn bereits im Kindesalter Krebs auftritt, ist das besonders tragisch – für die kleinen Patienten selbst, die oft gar nicht richtig verstehen, was mit ihnen los ist, aber auch für die Familie und den Freundeskreis. Insbesondere die mit der Erkrankung einhergehende Fatigue schränkt die Lebensqualität der Kinder erheblich ein. Wer sich täglich erschöpft fühlt, kann sich weder in der Schule konzentrieren noch mit seinen Freunden spielen. Die Trainingstherapie gewinnt im Kampf gegen die krebsbedingte Fatigue an Bedeutung.

Die Studienlage ist noch unzureichend

Krebsbedingte abnorme Ermüdung, auch als Cancer Related Fatigue (CRF) bekannt, ist eine stark beeinträchtigende Nebenwirkung hämatologisch-onkologischer Erkrankungen und deren Therapie. In der Pädiatrie wurde dies lange Jahre nur am Rande betrachtet (1), obwohl Studien aus dem englischsprachigen Raum auf die Existenz von CRF hinwiesen (2). Nach und nach wurden neben dem Erfassen dieses Phänomens auch therapeutische Möglichkeiten zur Reduzierung der störenden Müdigkeit gesucht. Es gibt verschiedene Studien dazu, unter anderem bei Kindern mit solidem Tumor oder akuter myeloischer Leukämie (AML) (3) sowie akuter lymphatischer Leukämie (ALL) (4, 5). Untersucht wurden verschiedene Trainingsprogramme. Die Studien von Braam et al. (6) und Le et al. (7) befassten sich mit Therapiemöglichkeiten im Krankenhaus und der Nachsorge. Eine große Bedeutung hat dabei die nichtmedikamentöse Reduzierung von CRF (8). Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass viele Studien während des Klinikaufenthaltes und unter Therapie stattfanden, jedoch ohne signifikante Effekte (8). Eine Meta-Analyse (9) beschreibt einen positiven Effekt von Bewegungsübungen auf die Mobilität von Kindern während und nach der Chemotherapie; ein erhöhtes Risiko für Sterblichkeit, Rückfälle oder Nebenwirkungen gibt es dabei nicht. Eine weitere Übersichtsarbeit (10) beschäftigt sich mit verschiedenen komplementärmedizinischen Interventionen, die Studienqualität war jedoch mäßig. Eine Auswertung (11) speziell nichtmedikamentöser Interventionen gegen CRF ergab, dass 50 Prozent der identifizierten Studien positive Effekte zeigen (11). Ebenfalls im Fokus der Forschung stehen die Effekte von spezifischen Bewegungsübungen auf die physische Fitness und CRF bei krebskranken Kindern (12, 13).