Sport mit krebskranken Kindern und Jugendlichen in der Klinik – das geht? Natürlich geht das! Es stellt sich eher die Frage: Warum nicht? Bewegung und Sport bei einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter schaffen ein gewisses Maß an Normalität in einem Alltag, der alles andere als normal ist. Ablenkung, Spaß, Erhalt der Fitness, soziale Kontakte – ob während oder nach der Therapie, die Ziele sind genauso vielfältig wie individuell. Die Grundzüge der Bewegungs- und Sportförderung und wie sie sich in der Akutphase sowie nach Abschluss der Therapie umsetzen lässt, zeigt dieser Beitrag.

Hintergrund

Bewegung und Sport sind essenzielle Bestandteile einer gesunden Entwicklung auf psychischer, physischer und sozialer Ebene im Kindes- und Jugendalter (1–3). Die positiven Effekte und die Notwendigkeit einer Förderung werden mittlerweile nicht mehr angezweifelt (4–6). Dies gilt nicht nur für gesunde, sondern natürlich auch für kranke Kinder und Jugendliche – und insbesondere für Patienten, die an schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs leiden. Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter gehören zu den seltenen Erkrankungen. Knapp über 2.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erkranken jährlich in Deutschland an Krebs (7). Die lebensbedrohliche Situation ebenso wie Isolation, Ängste und Sorgen rücken mit der Diagnose in den Fokus (8, 9), verdrängen Normalität und Alltag und reduzieren die Lebensqualität erheblich (10). Während der Behandlung über viele Monate wird der Bewegungsraum der betroffenen Kinder und Jugendlichen stark eingeengt. Krankheits- und therapiebedingte Einschränkungen können zusätzlich das Aktivitätslevel reduzieren (11, 12) und die körperliche Leistungs- und Funktionsfähigkeit negativ beeinflussen (13). Mehrere systematische Übersichtsarbeiten fassen die bereits bekannten positiven Effekte von Bewegungs- und Sportinterventionen während und nach einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter zusammen (14–17). Bezüglich der Evidenz sportbezogener Interventionen und deren Effekte liegt die Kinderonkologie derzeit noch weit hinter der internistischen Onkologie zurück. Das gesteigerte Interesse an diesem sehr spezifischen Forschungsbereich und die wachsende Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen in den letzten Jahren betonen jedoch deutlich die Relevanz des Themas. Neben der Beantwortung relevanter Forschungsfragen ist es allerdings ebenso wichtig, konkrete Programme zur Bewegungs- und Sportförderung an den kinderonkologischen Zentren zu implementieren. Nur so wird möglichst vielen betroffenen Kindern und Jugendlichen der Zugang zu Bewegung und Sport bereits während der Akuttherapie, begleitend in den nachfolgenden Therapiephasen und nach Therapieende ermöglicht. In Deutschland konnte bis Mai 2017 an zwölf von insgesamt 54 befragten kinderonkologischen Zentren ein Programm zur Bewegungs- und Sportförderung eingerichtet werden (18). Derzeit erfolgt bereits der Aufbau an weiteren Zentren.