Forschung & Evidenz: Evidenz-Update
pt Februar 2021

Brustkrebs: Ist ein individuell zugeschnittenes Übungsprogramm kosteneffektiv?

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Brustkrebs ist eine der häufigsten onkologischen Erkrankungen weltweit. Experten prognostizieren einen Anstieg der Fälle um 47 Prozent von 2018 bis 2040. Zu den Risikofaktoren gehören Adipositas, wenig Kinder beziehungsweise Kinder erst im späteren Alter, kein Stillen sowie ein geringes Aktivitätslevel. Brustkrebs-Überlebende leiden häufig unter einer reduzierten Lebensqualität. Langfristige Probleme sind unter anderem Fatigue, Schmerzen, kognitive Einschränkungen, Depressionen und Schlafstörungen mit negativen Auswirkungen auf Arbeitsfähigkeit und Aktivitäten des täglichen Lebens. Experten sind sich darüber einig, dass körperliche Aktivität Symptome und Nebenwirkungen reduzieren kann – vor allem dann, wenn das Training mehr als 150 Minuten pro Woche dauert, von moderater Intensität ist und verschiedene Übungen beinhaltet. Obwohl die Evidenzlage zu den positiven Effekten bereits sehr gut ist, wissen Forscher noch wenig über die Kosteneffektivität der Maßnahmen. Bisherige Studien betrachteten nur den kurzfristigen ökonomischen Nutzen und die Ergebnisse waren nicht eindeutig. Forscher aus Australien beschäftigen sich daher in ihrer aktuellen Studie mit der langfristigen Kosteneffektivität über einen Zeitraum von acht Jahren.

Zur Messung der Kosteneffektivität nutzten die Forscher das Konzept der qualitätskorrigierten Lebensjahre (QALYs, Quality Adjusted Life Years). Dabei handelt es sich um eine Kennzahl für die Bewertung eines Lebensjahres in Relation zur Gesundheit.

Insgesamt schlossen die Forscher 194 Patientinnen mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren in die Studie ein und teilten sie per Zufall in zwei Gruppen ein. Mehr als 90 Prozent der Patientinnen befanden sich in Stadium eins oder zwei der Krebserkrankung. Die persönlichen und diagnostischen Eigenschaften der Frauen waren in den beiden Gruppen vergleichbar. Die Intervention beinhaltete dabei 16 Termine mit einem Bewegungswissenschaftler über einen Zeitraum von acht Monaten. Ziel der Einheiten war die Unterstützung der Frauen zu regelmäßiger Aktivität an mindestens vier Tagen in der Woche. Jede Einheit sollte rund 45 Minuten dauern und Ausdauer- sowie Krafttraining beinhalten. Das Programm war dabei individuell auf die Patientinnen zugeschnitten. Die Kontrollgruppe bekam die herkömmliche Versorgung und lediglich Informationen zu einem Training nach Brustkrebs. Ob die Frauen dieser Gruppe dann eventuell eigenständig trainierten, wurde nicht kontrolliert.

Die Ergebnisse zeigen, dass das individuell zugeschnittene Training kosteneffektiver war als die herkömmliche Versorgung. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahmen auf einem adäquaten Level kosteneffektiv sind, liegt laut der Auswertung bei 93 Prozent. Die Forscher schlussfolgern, dass ein individuell zugeschnittenes Training mit hoher Priorität für diese Patientinnen verordnet werden sollte.

Quelle: Gordon LG, et al. 2020. Cost-effectiveness analysis from a randomized controlled trial of tailored exercise prescription for women with breast cancer with 8-year follow-up. Int. J. Environ. Res. Public Health 17, 22: 8608 Volltext frei

Link zum Abstract:pt.rpv.media/ncbi33228174

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pt Februar 2021

Erschienen am 10. Februar 2021