Politik
pt Mai 2022

Bundesrahmenvertrag im Fokus

Evidenzbasierte Praxiskonzepte haben es immer noch schwer

Am 1. August 2021 ist der neue Bundesrahmenvertrag in Kraft getreten. Der bundesweit gültige Vertrag mit den zugehörigen Anlagen wurde veröffentlicht und beinhaltet unter anderem eine neue Preisliste. Darin sind eine Erhöhung der Bundeshöchstpreise um 14,09 Prozent sowie die Zahlbeträge in Höhe von 12,58 Prozent abgebildet. Doch die Begeisterung hält sich bei vielen Praxen in Grenzen.

Im Gespräch mit Maximilian Pfülb
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Ruslan Grumble / shutterstock.com

Maximilian Pfülb

Sebastian Kirsch | photography

Er ist seit 2010 Physiotherapeut und Inhaber der Praxis e³ Physiotherapie. Er ist unter anderem Heilpraktiker auf dem Gebiet der Physiotherapie, Stressmanagment Coach i. A. und Fitnesstrainer. Maximilian Pfülb hat außerdem langjährige Erfahrung in der Betreuung von Athleten aus dem Leistungssport. max@e3-physiotherapie.de

Physiotherapeut Maximilian Pfülb ist Inhaber der Praxis e3 Physiotherapie in Erlangen. Sein Anspruch: Er möchte Menschen, die in seine Praxis kommen, evidenzbasiert versorgen. Das Praxisteam arbeitet nach klinischen Leitlinien und berücksichtigt die Ergebnisse von systematischen Übersichtsarbeiten. Und das allen unter den gegebenen Rahmenbedingungen. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Oder?

Die pt hat nachgefragt, wie sich ein solches Konzept derzeit umsetzen lässt und was sich ein evidenzbasiert denkender Praxisinhaber von der Berufspolitik wünscht.

Wofür steht e3 in Ihrem Praxisnamen?

Bei der Namensfindung habe ich mir einige Gedanken gemacht. e3 steht für ehrlich, evidenzbasiert und effizient. Das ist der Anspruch, den ich für mein Team und mich definiert habe. Wir haben für uns selbst Praxisleitlinien definiert, nach denen alle Mitarbeitenden im Team handeln. Dazu gehört, in erster Linie Vertrauen zu den Betroffenen aufzubauen. Wer zu uns kommt, soll sich ernst genommen fühlen. Der Grundstein dafür ist die Anamnese. Wir klären die Patienten auf, definieren objektive Ziele und erklären, was in der Therapie passieren soll. Ganz wichtig ist es uns auch, dass wir innerhalb der Therapieeinheiten von passiven (Behandlungsraum) zu aktiven (Trainingsraum) Maßnahmen kommen wollen. Unsere Patienten müssen verstehen, dass wir ihnen ihre Probleme nicht abnehmen oder „wegdrücken“ können. Wir helfen dabei, den richtigen Weg zu finden. Dies kommuniziert jeder bei uns ganz zu Beginn. Passive Interventionen am Anfang einer Behandlungsserie sind ausschließlich die Grundlage für eine darauffolgende aktive Übungstherapie. Wer diese Perspektive nicht teilt, ist bei uns an der falschen Adresse. Ich lege zudem Wert auf den Grundsatz „Qualität vor Quantität“. Meine Überzeugung: Die Qualität einer Therapie hat nichts mit „immer viel Zeit“ oder „viele verschiedenen Handgriffe“ zu tun. Qualität zeichnet sich meinem Verständnis nach durch zielgerichtetes Handeln aus. Dafür müssen wir die Probleme der Betroffenen genau analysieren. Dafür brauchen wir manchmal mehr und manchmal weniger Zeit. Es ist enorm wichtig, dass wir alle die gleiche Sprache sprechen. Ich finde, das ist immer noch viel zu selten der Fall innerhalb der deutschen Physiotherapie und wir wollen das in unserem Team besser machen. Auch wenn wir versuchen, Therapeutenwechsel weitgehend zu vermeiden, ist es doch manchmal nötig und da ist es mir sehr wichtig, dass den Betroffenen nicht zwei, drei ganz verschiedene Dinge suggeriert werden.