Ziel einer einfach verblindeten, placebokontrollierten, klinischen Studie aus Spanien war es, die Effekte von Motor Imagery (MI) beziehungsweise Bewegungsbeobachtung (Action Observation – AO) auf die Schmerzmodulation bei chronischen Nackenschmerzen zu untersuchen. Einschlusskriterien waren ein Alter zwischen 18 und 65 Jahren und eine medizinische Diagnose chronischer Nackenschmerzen mit einer Dauer von mindestens sechs Monaten. Von der Studie ausgeschlossen wurden Patienten mit rheumatischen Erkrankungen, zervikalen Bandscheibenvorfällen oder radikulären Symptomen, Schleudertrauma, Nackenoperationen oder Vorgeschichte einer Arthrodese, systemischen Erkrankungen, Beeinträchtigungen der Sehkraft, des Hörens oder vestibulären Problemen, schwerwiegenden Traumata oder Verkehrsunfällen mit Auswirkung auf den zervikalen Bereich.

30 Patienten wurden zufällig auf drei Gruppen verteilt: 1) MI (n = 10), 2) AO (n = 10), 3) Placebo (n = 10). Die AO-Gruppe sah sich zwei Übungen an einem Laptop an, die typischerweise bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Nackenschmerzen eingesetzt werden. Die Übungen dauerten eine Minute und wurden jeweils zweimal wiederholt. Die erste Übung bestand aus einer Bewegung des Kopfes gegen den Widerstand eines elastischen Bandes, und zwar aus einer tiefzervikalen Flexion mit hochzervikaler Extension in eine tiefzervikale Extension mit hochzervikaler Flexion. Bei der zweiten Übung sollte die zervikale Wirbelsäule während des Sitzens in Neutralposition gehalten und durch die Kontraktion der tiefen HWS-Flexoren ein Kopfnicken (Chin-In) erzeugt werden. Die Patienten wurden explizit dazu angehalten, sich die Übungen nur anzusehen – weder die Durchführung der Übungen noch deren Vorstellung war erlaubt.

Die Patienten der MI-Gruppe sahen sich dieselben Übungen an und ihre Durchführung wurde präzise erklärt. Anschließend sollten sich die Patienten die Übungen vorstellen, indem sie diese mental so genau und lebendig wie möglich visualisierten, wieder jeweils zweimal eine Minute pro Übung. Die Placebogruppe sah für vier Minuten ein Video mit Naturlandschaften an, ohne irgendwelche Bewegungen zu visualisieren. Vor Interventionsbeginn beantwortete jeder Teilnehmer diverse Fragebogen; unter anderem wurden dabei Alter, Geschlecht, Medikation, anthropometrische Daten, Schmerzdauer und dominante Schmerzlokalisation erfasst. Die primäre klinische Zielgröße war die Druckschmerzschwelle (pressure pain threshold – PPT) auf Höhe der Facettengelenke C2 / C3, des M. trapezius pars descendens und am Epicondylus lateralis des nicht dominanten Armes. Gemessen wurde mit einem mechanischen Druckalgometer. Sekundäre Zielgrößen waren unter anderem Schmerzintensität (VAS), visuelle und kinästhetische Fähigkeit zur Bewegungsvorstellung (unter anderem Movement Imagery Questionnaire-revised), Kinesiophobie (TAMPA Scale of Kinesiophobia), Schmerzkatastrophisierung (Pain Catastrophising Scale), Behinderung (Neck Disability Index) und die Reaktion des autonomen Nervensystems (Herzfrequenz).

MI und AO induzierten beide eine sofortige Schmerzmodulation in der zervikalen Region. Beide Techniken führten zu einer Steigerung der PPT. AO scheint die effizientere Methode zur Schmerzmodulation zu sein, sowohl lokal als auch in weiter entfernten Arealen (Ellenbogen). Auch die Antwort des autonomen Nervensystems war hier deutlicher ausgeprägt.

Quelle: Suso-Martí L, et al. 2019. Motor imagery and action observation of specific neck therapeutic exercises induced hypoalgesia in patients with chronic neck pain: a randomized single-blind placebo trial. J. Clin. Med. 8, 7 Volltext frei

Link zum Abstract:pt.rpv.media/ncbi31336815