206 Erwachsene mit chronischem Kreuzschmerz wurden von australischen Wissenschaftlern im Rahmen einer Studie und nach dem Zufallsprinzip auf zwei Interventionsgruppen verteilt. Die eine Gruppe (n = 106) erhielt in Einzelbehandlung kognitive funktionelle Therapie (CFT) durch einen Physiotherapeuten, die andere (n = 100) führte gruppenbasierte Übungen durch und erhielt zusätzlich Edukation.

Die Länge der individuellen Intervention variierte entsprechend der klinischen Progression der Patienten und umfasste durchschnittlich fünf Einheiten. Die Gruppeninterventionen bestanden aus bis zu sechs Einheiten über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen und waren jeweils 75 Minuten lang. Primäre Zielgrößen waren die funktionelle Beeinträchtigung, gemessen mit dem Oswestry Disability Index (ODI) (von Null bis 100) und die Schmerzintensität (numerische Ratingskala) sechs und zwölf Monate nach Randomisierung. Sekundäre Zielgrößen waren unter anderem Angstvermeidung (Fear Avoidance Beliefs Questionnaire), Bewältigungsstrategien (Coping Strategies Questionnaire) und Stress (Depression, Anxiety und Stress Scale).

Einschlusskriterien waren ein Alter zwischen 18 und 75 Jahren, unspezifischer chronischer Kreuzschmerz seit mindestens sechs Monaten, ein ODI Score von mindestens 14 Prozent und die Fähigkeit, selbstständig zu gehen (mit oder ohne Gehhilfen). Ausgeschlossen wurden Patienten mit Schmerzarealen außerhalb des unteren Rückens, Beinschmerzen durch Nervenwurzelkompression oder Bandscheibenvorfall mit Radikulopathie, Recessus- oder Spinalkanalstenose. Zudem wurden Patienten ausgeschlossen mit Operationen an der Lendenwirbelsäule, den unteren Extremitäten oder dem Abdomen in den letzten sechs Monaten, Injektionstherapie während der letzten drei Monate, rheumatischen Erkrankungen, progressiven neurologischen Erkrankungen, Skoliose, instabiler Herzfunktion, oder mit Verdacht auf red flags wie Krebs und akute Traumata. Probanden der CFT-Gruppe wurden einzeln interviewt und physiotherapeutisch untersucht, um sämtliche relevante Faktoren zu bestimmen, welche zu Schmerz und Beeinträchtigung führten. Die Intervention bestand aus drei Komponenten: – den Schmerz verstehen (kognitiv), – sich dem Schmerz kontrolliert aussetzen, – Veränderung des Lebensstils. Die Teilnehmer der Gruppentherapie wurden weder einzeln interviewt noch eingehend physisch untersucht oder über ihre individuelle Schmerzgeschichte befragt. Sie erhielten eine multidimensionale Intervention nach den gleichen Rehabilitationsprinzipien wie die Patienten der CFT-Gruppe, jedoch ohne, dass auf ihre spezifischen Bedürfnisse eingegangen wurde. Auch hier bestand die Intervention aus drei Komponenten: Schmerz-Edukation, Übungen und Entspannung. Eine Limitation der Studie zeigt sich in der  hohen Zahl von Studienabbrechern.

CFT reduzierte die Beeinträchtigung, jedoch nicht den Schmerz nach sechs und zwölf Monaten im Vergleich zur Gruppenintervention. Weitere Studien müssen durchgeführt werden, um festzustellen, wie relevant die Reduktion der Beeinträchtigung durch CFT für die Patienten wirklich ist und ob dieser Effekt Veränderungen in der gängigen Gesundheitsversorgung rechtfertigt.

Quelle: O’Keeffe M et al. 2019. Cognitive functional therapy compared with a group-based exercise and education intervention for chronic low back pain: a multicentre randomised controlled trial (RCT). Br. J. Sports Med. Oct 19 [Epub ahead of print] Volltext frei

Link zum Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31630089